30. August 2021

Kognitive Dissonanz im Selbstoptimierungswahn: Auf der Suche nach neuen ideologischen Führern

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In den Schulklassen während der Corona-Monate.
In der Jugend war teilweise ein ähnlicher Widerspruch zu beobachten:

Man möchte zwar auffallen, aber wenn die Eltern für ihr Kind beispielsweise ein Attest besorgten, um das Kind vom Tragen der Maske zu befreien, dann trug so manches Kind unter den Mitschülern doch lieber die Maske, um nicht aufzufallen …
Ja, was denn nu?

Gut, die Argumentation ist die, daß das Kind mit dem Attest Angst vor Mobbing oder Ausgrenzung hat.
Aber hey …
Seit wann wird jemand, der auffällt, denn von allen oder zumindest von den meisten Menschen tatsächlich gemocht?

Also wollen die Jugendlichen dann doch nicht auffallen.
Jedenfalls nicht so ganz auffallen.
Eher ein graues Dasein.
Aber nicht so grau, mehr grüngrau, ins Bräunliche …

Scham statt Identifikation

Wenn wir uns umschauen, dann sehen wir, wie gerade eine vertraute Gesellschaftsordnung zerfällt.

Natürlich folgt auf Regen auch immer wieder Sonnenschein.
Aber das kann manchmal auch ein klein wenig länger dauern, na klar.

Es ist jedoch selbsterklärend, daß sich immer mehr Menschen geistig-seelisch von der noch vorherrschenden Gesellschaftsordnung loslösen – und das nicht erst seit Corona.
Wir brauchen uns nur anzugucken, welche Figuren uns in der gemachten Öffentlichkeit als unsere vermeintlichen Volksführer präsentiert werden:

Es werden uns Versager präsentiert, die höchstens mit Inkompetenz, Korruptionsverstrickungen oder fehlender Identifikation mit dem eigenen Volk zu glänzen wissen.
Mehr noch:
Sie scheinen sogar Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache zu haben und bringen teilweise nicht mal einen fehlerfreien Satz zu Stande.

Wenn nur noch die Wahl zwischen Pest und Cholera besteht, hat kaum noch einer Lust auf das politische Theater und die vermeintlichen Führungsfiguren.
Und falls dann der vermeintliche Volksführer sich nicht mit dem Volk identifizieren kann, können sich auch immer weniger Menschen noch mit dem Volksführer identifizieren.
Das beruht auf Gegenseitigkeit.

Es wird einem schon fast peinlich, wenn man anderen Kulturen begegnet und zugeben muß:
„Ja, die Figur da repräsentiert unser Volk.“

Da kommt der eine oder andere dann ganz schnell auf die Idee, sein eigenes Ding zu machen.
Andere machen es ja auch vor – sogar die Politiker, die sich nach einer idealistischen Vorstellung jedoch eigentlich für das Gemeinwohl des Volkes einzusetzen hätten …

Wie das Fundament für den Selbstoptimierungswahn gelegt wird

Doch nun ist es allerdings so, daß viele Menschen die Orientierung in sich selbst noch nicht wirklich gefunden haben.
Wie gewohnt, suchen Sie weiterhin nach Orientierung im Außen.
Sie suchen jemanden, von dem sie sich allerlei abschauen können.
Sie sind geistig noch kleine Kinder und brauchen jemanden, zu dem sie aufschauen können.

Schließlich begegnet Ihnen bei ihrer Suche einer der vermeintlich spirituellen oder auch der Persönlichkeitsentwicklungsgurus.
Diese erzählen dann wie toll sie sind, wie sie so erfolgreich wurden und warum das alles etwas mit der Entwicklung der eigenen Persönlichkeit zu tun habe.

Sie erzählen, wie sie es geschafft haben, sich von der Masse und all den Mauerblümchen da draußen abzuheben.
Sie erzählen, warum sie mehr auffallen als andere und warum gerade sie im Gegensatz zu all den Langeweilern etwas aus ihrem Leben gemacht haben.

Dann wird dem Suchenden noch ins Ohr gesäuselt, daß das jeder könne, was der Guru kann.
Dieser indirekte Zuspruch erleichtert den Einstieg sich selbst der persönlichen Selbstoptimierung hinzugeben.
Nach dem Wecken von Begehrlichkeiten fragt der Guru den Suchenden dann noch, ob er so etwas denn auch möchte.
Es folgt ein „Ja, ich will!“ und schon ist der Suchende mit dem Selbstoptimierungswahn verheiratet.

Wenn Du in diese sektenartigen Strukturen hineingezogen wirst, dann wird Dir etwas vom „richtigen mindset“ (deutsch: Denkweise) erzählt.
Es gilt das Gesetz der Anziehung und wenn Du nur fest genug daran glaubst und es auch wirklich willst, dann kannst Du Dir jeden Traum erfüllen, na klar …

Es gelten keine Ausreden.
Deinen Glauben an eine allgemein gültige Wahrheit kannst Du mal eben ablegen, weil es angeblich eh nur „persönliche Wahrheiten“ gibt.
Und falls Du es nicht schaffst, dann bist Du ein „Broky“, einer mit einem „broken mindset“. (deutsch: gebrochene Denkweise)

So wird die Grundlage dafür gelegt, daß Du noch nicht genug an Dir selbst optimiert haben kannst, wenn Du noch nicht dort bist, wo Du sein möchtest.
Optimiere Dich weiter, bleib im Wahn …

Wie die kognitive Dissonanz Menschen im Selbstoptimierungswahn hält

Wenn ein Mensch eine schlechte Entscheidung getroffen hat, kommt es immer mal wieder vor, daß er weder der Außenwelt noch sich selbst gegenüber zugeben kann, eine solch schlechte Entscheidung getroffen zu haben.
Er kommt hier gegenüber der Außenwelt und insbesondere gegenüber sich selbst in einen Loyalitätskonflikt.

„Wenn ein ehrlicher Mensch erkennt, daß er irrt, wird er sich entweder seines Irrtums oder seiner Ehrlichkeit entledigen.“
(Unbekannt)

Wer um seine drei Seelenkräfte und dessen Urteilsarten Bescheid weiß, ist hier klar im Vorteil.
Denn, wenn die Emotionen einen daran hindern, nach Wahrheit zu streben, dann wird es kritisch.

Stell Dir dazu doch einfach mal vor, was wohl in Dir vorginge, falls Du (viel) Geld für Deine Persönlichkeitsentwicklung bezahlt hättest:
Wie würde es sich für Dich anfühlen, wenn Du feststellen solltest, daß Du betrogen wurdest und womöglich noch immer wirst?
Nicht so schön, oder?
Willst Du es wahrhaben?
Womöglich nicht, oder?

Du läßt Dir also etwas vom Pferd erzählen.
Dir werden ein „richtiges mindset“, „persönliche Wahrheiten“ und dergleichen aufgeschwatzt und dann bist Du aus Gründen falscher Solidarität dazu verpflichtet, diese Dinge nicht zu hinterfragen sondern bedingungslos zu glauben.

Du stellst dann fest, daß Du keinen Erfolg hast.
Du beginnst sogar zu begreifen, daß viele andere Menschen, die ebenso im Selbstoptimierungswahn gefangen sind, auch keinen Erfolg haben – aber sie sehen es nicht, weil sie es nicht sehen wollen.
Du kannst Dir mittlerweile denken, warum sie es nicht sehen.

Und jetzt beschwerst Du Dich und kritisierst den Selbstoptimierungsguru.
Was wird als Reaktion wohl folgen?

Nun, Dir und anderen Leidensgenossen wurde doch bereits eingebläut, daß alles an Dir liegt und Du hast Dich weiter selbst zu optimieren anstatt nun anzufangen schlechte Laune zu verbreiten … Du Broky, Du!
😉

Tatsächlich aber läßt sich Deine Gruppe diesen und andere Bären aufbinden, weil Ihr Euch bereits in einer kognitiven Dissonanz befindet.
Euer Persönlichkeitsentwicklungsguru kann deshalb jeden Blödsinn bei Euch durchdrücken, weil Ihr die Widersprüche nicht erkennt oder nicht erkennen wollt.
Sie werden von Euch nicht erkannt, weil dadrunter unangenehme Emotionen liegen:
Das Empfinden betrogen worden zu sein; daß da jemand Dein Vertrauen mißbraucht.

Stell Dir doch einfach mal vor, daß sich Deine beste Freundin in einen Heiratsschwindler verliebt hat.
Würde sie es wahrhaben wollen, falls Du sie vor diesem Mann warnst?
Wie würde sich Eure Freundschaft nach dieser Warnung weiterentwickeln?

Aus Sekten oder der Persönlichkeitsentwicklungsszene will auch kaum jemand aussteigen, weil die vorstehenden Gurus „nur das Beste“ für einen wollen.
Na klar … Merkel, Spahn, Lauterbach und andere Politiker der BRD-Sektenideologie wollten auch immer „nur das Beste“ für uns.
🤦‍♂️

Vielleicht sollte ich den letzten Satz nur ein klein wenig anders formulieren:
Gurus und Politiker wollen immer „nur das Beste“ von uns.
Gurus und Politiker wollen Gehorsam und unser Geld.

Ein letzter Gedanke

Jetzt beginnen einige Menschen mit der Persönlichkeitsentwicklung, weil sie anders sein und/oder etwas Anderes machen wollen, als die träge Masse da draußen.
Sie wollen auffallen – genauso wie viele Jugendliche.

Doch dann finden in diesen Kreisen der Selbstoptimierung haufenweise Menschen zusammen, die alle das gleiche denken (sollen) und es gibt niemanden, der anders denkt.
Und falls doch, wird das vom Guru nicht zugelassen damit seine glänzende Fassade keine Kratzer bekommt.

Wer also eine Art Attest besitzt, um seinen Maulkorb abzulegen, wird es seinem Persönlichkeitsentwicklungslehrer womöglich nicht vorlegen.
Denn wer den Guru hinterfragt, hinterfragt auch das Denken der gesamten Guru-Gefolgschaft.

Menschen haben Angst davor zu hinterfragen, weil sie von ihrer Selbstoptimierungsklasse gemobbt und ausgegrenzt werden könnten.

Übersetzt will der im Selbstoptimierungswahn Gefangene zwar auffallen, aber nicht so ganz auffallen.
Eher ein graues Dasein.
Aber nicht so grau, mehr grüngrau, ins Bräunliche …

Physisch erwachsen, das werden wir scheinbar von ganz allein.
Geistig hingegen – das müssen wir wirklich wollen!

Dies ist ein Artikel aus der Artikelserie: Selbstoptimierungswahn
Dieser Artikel baut auf der erkenntnistheoretischen Grundlage von Rudolf Steiner auf. (vgl. GA 1 bis GA 4)

Martin Matzat

Martin Matzat ist Philosoph, Blogger und Autor sowie Erkenntnis- und Ideologieforscher. Der Dipl. Wirtschaftsingenieur, den die Lösung der sozialen Frage umtreibt, ist bis zur erkenntnistheoretischen Grundlage unserer Weltbilder vorgedrungen und sieht darin die Ursache gegenwärtiger und sich zukünftig wiederholender Ideologien.


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