01. Februar 2024

Elterntagung der schweizer Rudolf-Steiner-Schulen ’24: Nur Heuchelei und leere politische Worthülsen?

1  Kommentare

Während in Deutschland nicht nur die Bauern demonstrieren und das Empfinden äußern, daß sich ihre derzeitigen politischen Könige kein bißchen für ihre seelische als auch existenzielle Not interessieren, fanden vom 19. bis zum 20. Januar 2024 im Dornacher Goethanum für die Pädagogen der schweizer Rudolf-Steiner-Schulen die Weiterbildungstage unter dem Motto Gemeinsam in die Zukunft statt.
Parallel dazu wurde am zweiten Tag auch eine Tagung für die Eltern jener Schulen angeboten, bei welcher auch ich präsent war.

Begrüßung und Einführung

Nach einer kurzen Vorstellung Seitens der Dornacher Gastgeber, in welcher man bekundete, ein Interesse am Austausch mit den Eltern der Waldorf- bzw. Rudolf-Steiner-Schulen zu haben, wurde in einem kurzen Einführungsvortrag auf die Bedeutung der Beziehungen und der Zusammenarbeit zwischen Eltern und Lehrern hingewiesen.

Ich empfand es sehr spannend diesen Vortrag mit einer zuvor gemachten Beobachtung in Beziehung zu setzen.
Denn gerade bei Frau Vanessa Pohl – Koordinatorin der schweizer Rudolf-Steiner-Schulen und zugleich Chefredakteurin des Schulkreises – ist mir aufgefallen, daß sie immer wieder den Begriff Lehrperson verwendete.

Ich fragte mich, warum nicht schlicht und einfach Lehrer gesagt werden kann?

Denn mal ganz ehrlich:

Wenn ich solchen Sätzen zuhöre und parallel dazu, zu dem Gesagten ein inneres Bild zu entwickeln versuche, dann fällt es mir schwerer zum Begriff der Lehrperson als zum Begriff des Lehrers eine Beziehung aufzubauen.
Lehrperson ist kälter, distanzierter, anonymer.

Der Start also, um die Beziehungen zwischen Eltern und Lehrern für ein Gemeinsam in die Zukunft zu vertiefen, war kommunikativ … sagen wir mal ausbaufähig.

Der erste Workshop

Während des Tages konnten wir Eltern zwei von drei angebotenen Workshops auswählen, an welchen wir teilnehmen wollten.
Der erste Workshopblock fand sogleich am Vormittag, der zweite nach der Mittagspause statt.

Ich wählte zu Beginn das Thema Meinungen, Erwartungen und Wünsche von Eltern und Lehrpersonen.
(Und ja, wie der Titel es für den Leser nach meiner obigen Schilderung vermuten läßt, war Frau Vanessa Pohl bei diesem Workshop auch Teil der Workshopleitung.)

Spannend fand ich dabei wieder einmal die Beobachtung, daß gegenwärtig nicht nur die Bauern um ihre Existenz zu fürchten scheinen, sondern auch mehr oder minder alle schweizer Rudolf-Steiner-Schulen:
Die Schülerzahlen nehmen ab und damit natürlich auch die Beiträge der Eltern, mit welchen schließlich das Schulleben vor Ort finanziert werden soll.
Im Zuge dessen wurde ebenfalls geäußert, daß selbst im wohlbetuchten Basel und Umgebung ein gewisses Phänomen zu beobachten sei – viele Menschen haben bei weitem nicht mehr so viel Geld übrig wie noch vor einigen Jahren.
Die deutschen Bauern sind also bei weitem nicht allein in ihrer wirtschaftlich größer werdenden Not …

Dabei kam der Gedanke auf, ob die schweizer Rudolf-Steiner-Schulen nicht genauso vom Staate subventioniert werden könnten wie die deutschen Waldorfschulen.

Daraufhin bemerkte ich, daß womöglich jeder in der Runde wohl schon einmal den Satz „Wes‘ Brot ich eß, des Lied ich sing.“ gehört hat.

Neben der Tatsache, daß die Dreigliederung des sozialen Organismus ohnehin schon in Dornach, an Waldorfschulen usw. recht stiefmütterlich behandelt wird und es mit der Freiheit im Geistesleben demzufolge auch nicht sooo genau genommen wird, bedeuten solche Geldgaben im Umkehrschluß, daß sich die Schulen viel schneller dem politischen Willen des Geldgebers unterordnen.

Und wenn dann im zweiten Schritt die schweizer Rudolf-Steiner-Schulen von staatlichen Geldern zwar unabhängig sind, aber die Schweizer im Allgemeinen gerne rüber zum „großen Bruder“ nach Deutschland schauen und es ihm dann mehr oder minder nachmachen, während Dornach den ahrimanischen Narrativen nichts entgegenstellt sondern diese eher noch hofiert, dann ordnen sich auch die Schweizer Rudolf-Steiner-Schulen mehr oder minder bereits einer politisch angestrebten Gleichheit im Geistesleben unter.

Ich verwieß darauf, daß all jene Schulen neben sich stehen, weil sie auf Grund eines politischen Drucks ihre wahre Identität leugnen und in Folge dessen auch nicht die richtige Kommunikation für ihre wahre Zielgruppe wählen.
Und ich erwähnte ebenfalls, daß zu dieser Kommunikationsfrage auch die zunehmende Verwendung der Gender-Sprache auf den Tisch muß.

(Das deutsche Pendant zum Schulkreis – die Erziehungskunst – gendert beispielsweise mittlerweile ja sehr offen. Warum?)

Kurzum:
Die Rudolf-Steiner-Schulen sind nicht authentisch.
Sie sind gesichtslos und austauschbar geworden, so daß sich für viele Eltern bei zunehmender wirtschaftlicher Not auch immer öfter die Frage stellt, warum sie jenen Schulen Monat für Monat weiterhin noch so viel Geld überweisen sollen …
Wenn wundert es da, wenn sich Eltern von unseren Schulen also (wieder) abwenden, geschweige denn überhaupt zuwenden?

Vortrag: Waldorfpädagogik in der Welt

Zum Abschluß des Vormittags saßen wir Eltern zusammen mit den Lehrern im großen Saal des Goetheanums.
Constanza Kaliks hielt einen Vortrag mit dem Titel Waldorfpädagogik in der Welt.

(Constanza Kaliks ist Mitglied des Vorstandes der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft und zugleich Teil der Leitung der Allgemeinen Anthroposophischen Sektion der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft sowie Teil der pädagogischen Sektionsleitung am Goetheanum.)

Es mag sein, daß mich mein Empfinden während und nach dem Vortrag auf Irrwege führte.
Aber während ich beim Gang in die Mittagspause vernahm, daß der Vortrag von Constanza Kaliks auf so einige Zuhörer einen positiven Eindruck gemacht hatte, fragte ich mich, ob es nur mir so ging, daß da vorne wie bei den Bauern lediglich eine weitere politische Rede gehalten wurde, die mit einer Art Appell für ein weniger ist mehr gewisse Dinge unter einen politischen Teppich zu kehren versuchte.

Ich bemerkte das, was ich zuvor im Workshop bereits erwähnt hatte:

Die Rede war für mich nicht authentisch.
Die Rede wirkte auf sich selbst ein Loblied singend und abgehoben auf mich – also ganz und gar nicht in der Welt stehend sondern irgendwo in einem unantastbaren Elfenbeinturm.
Ich beobachtete an mir selbst, daß ich nicht wirklich in Beziehung zu dem Gesagten kam.
Ich hatte das Gefühl, daß an mir vorbeigeredet wurde.

Auch dem Goethanum als imposantes Bauwerk gelang es nicht, mir ein braves Abnicken der soeben gehörten Rede einer höheren Politikerin am Goetheanum abzuverlangen.

In mir entstand der Wunsch, mich gerade zu täuschen.

„Wenn ein ehrlicher Mensch erkennt, daß er irrt,
dann wird er sich entweder seines Irrtums oder seiner Ehrlichkeit entledigen.“
(Unbekannt)

Der zweite Workshop

Als zweiten Workshop hatte ich Eltern und Anthroposophie: Was geht mich das an? mit Ellen Niemann gewählt.
(Ellen Niemann war von 2007 bis 2020 in der Elternvertretung aktiv: Landeselternrat Berlin-Brandenburg, Bundeselternkonferenz, Bundeskonferenz und ENSWap/European Network of Steiner Waldorf Parents)

Zugegeben:
Ich hatte wieder damit zu kämpfen, aufmerksam zu bleiben.
Immer wieder redete sie von Pädagog:innen.

Und dann begannen bei mir diverse Fragen, Gedanken und Empfindungen aufzuploppen:

Ist Pädagog tatsächlich die zu wählende Bezeichnung für den männlichen Plural von Pädagoge?
Ist das grammatikalisch korrekt?
Wenn es konsequent nach dem Gerechtigkeitssinn eines materialistischen Bewußtseins ginge, stelle ich gerade fest, daß die Männer in dieser Wortkonstruktion überhaupt nicht präsent sind.
Wo ist da die doch sooo sehr angestrebte Geschlechtsneutralität?
Verbirgt sich hinter der Gender-Sprache also eine gewisse Doppelmoral?

In mir kamen dann die mir bereits begegneten Blüten der Gender-Sprache wieder hoch – keiner:in und die Heiligen Drei König:innen lassen grüßen.

Während ich ein weiteres Pädagog:innen von Frau Ellen Niemann vernehme und daraus lediglich nur noch Pädagoginnen höre, kommt in mir der Gedanke auf, ob es gegenwärtig darum geht, alle männliche Qualität zu unterdrücken, zu negieren oder auch auszumerzen.

Logisch, Ahrimans Tyrannei wünscht möglichst wenig Gegenwehr.

Frau Ellen Niemann erwähnt, daß es nicht gut sei, Kinder zu früh „über den Kopf“ anzusprechen.
Dem kann ich nur zustimmen.
Aber ist so eine Wortkonstruktion wie Pädagog:innen denn tatsächlich eine die aus dem Herzen kommt und in das Kinderherz gelangt?
Oder muß das Kind – wenn es eine solche Gender-Sprache hört – „seinen Kopf“ mehr anstrengen, um das Gesagte einzusortieren?

Empfindet das Kind so ähnlich wie ich, wenn es Gender-Sprache hört?
Nämlich, daß sich da sprachlich gerade jemand einen abwürgt und diese Sprache alles andere als wohlklingend auf meine Seele wirkt.
Das klingt eher gequält.
Nach Sprache, die mißbraucht und vergewaltigt wird.
Oder um aus der Dreigliederungsperspektive einen Blick drauf zu werfen: Es klingt nach einem Angriff auf das Kultur- und Geistesleben!

Mag sein, daß sich im Laufe der Zeit so manches Kind an die Gender-Sprache gewöhnt.
Aber wäre das dann tatsächlich ein Ausdruck eines gesunden Geistes- und Seelenlebens oder eher ein Phänomen eines bereits vorliegenden Traumas?

Während Frau Ellen Niemann schildert, daß es für eine gesunde Kindesentwicklung entscheidend sei, wie das Kind wann und mit welchen Themen in Berührung kommt, und ich dem ebenfalls zustimmen kann, stelle ich mir parallel die Frage, ob es nicht sinnvoll wäre, sich diesbezüglich auch die Gender-Sprache geisteswissenschaftlich einmal näher anzugucken:

Wirkt Gender-Sprache auf den Zuhörenden wie geistig-seelischer Mißbrauch?
Oder ist derjenige, der Gender-Sprache anwendet, bereits geistig-seelisch vergewaltigt worden?
Vielleicht sogar beides?
Denn bekanntlich werden Traumaopfer später zu Traumatätern …

🧐

Mit dieser Frage ging ich am Ende des Workshops nochmal auf Frau Ellen Niemann zu.
Ich bekundete zunächst, daß ich dem, was sie sagte, nicht wirklich folgen konnte, weil ich darum rang, zu Ihren Gender-Begriffen eine Beziehung aufzubauen.

Ich teilte ihr gleichfalls mit – um auch auf das stets vorgetragene Argument vermeintlicher Geschlechtergerechtigkeit einzugehen –, daß ich nur Pädagoginnen gehört habe und mich fragte, wo denn da die männliche Qualität noch zu finden sei.
Daraufhin entschuldigte sie sich bei mir, daß sie dann wohl nicht deutlich genug gegendert habe.

Da dies jedoch gar nicht der entscheidende Punkt für mich war, fragte ich, ob die Gender-Sprache aber nicht vielleicht auch eine Art geistig-seelischer Mißbrauch am Kind sein könnte und hier genauer hingeschaut werden müßte, weil der physische Mißbrauch der Tendenz folgend dann auch nicht mehr weit weg sein könnte.

Da sich Frau Ellen Niemann vor geraumer Zeit bereits für das Gendern entschieden hatte, schien sie diesen Gedanken aber nicht wirklich an sich heranlassen zu wollen.

Mit Blick auf mein absolutes Lieblingszitat (s.o.) und die seit den Corona-Monaten deutlich sich zeigende Tendenz innerhalb einer politisch genormten und somit auch traumatisierten Gesellschaft, daß wissenschaftliche Diskurse über einen streitbaren Sachverhalt nicht mehr geführt werden (dürfen), war ihre Reaktion für mich allerdings absolut nachvollziehbar.

„Die Wahrheit ist das erste Opfer des Krieges.“
(Unbekannt)

Die finale Diskussionsrunde

Zum Schluß gab es eine Diskussionsrunde im Fishbowl-Format.

Zunächst setzten sich alle Workshopleiter als auch die zwei engagierten Mütter, die diese Elterntagung mit organisiert hatten, in den mittleren Kreis.
Der Rest der rund 50 angemeldeten Eltern nahm im äußeren Kreis Platz.

Die Workshopleiter und die beiden engagierten Mütter waren somit diejenigen, die als erstes ihre Tageseindrücke äußerten.

Der Beginn war dabei von einer gewissen Einigkeit und Dankbarkeit geprägt.
Es fiel kein schlechtes Wort und Frau Vanessa Pohl gab dabei auch bekannt, daß bis zum 01. Februar 2024 Erlebnisberichte für die nächste Ausgabe des Schulkreises eingereicht werden könnten.
(Um ihr die Wahl zu lassen, habe ich ihr nebst diesem Bericht auch eine kürzere Version zugeschickt. Ob allerdings auch nur irgendeine beider Versionen wegen des Inhalts tatsächlich im Schulkreis veröffentlicht wird, wage ich jedoch stark zu bezweifeln.)

Bei aller Dankbarkeit, die ich für Organisation und Verpflegung zweifelsohne mit den anderen Eltern teilte, vermißte ich jedoch Worte der ehrlichen Auseinandersetzung mit der Identitätsfrage.
Mag ja sein, daß vielleicht das, was ich im ersten Workshop im Beisein von Frau Vanessa Pohl über die Identitätsfrage und die abnehmenden Schülerzahlen sagte, nicht wirklich angekommen und hängengeblieben ist.
Aber ich hatte das Empfinden, daß ein wortloser Beschluß im Raume lag, bei welchem die Steiner- und Waldorfschulen weiterhin gesichtslose Mauerblümchen bleiben sollten.

Als ob es also der Plan sei, sich weiterhin wegzuducken und sich an die großen vorgegebenen ahrimanischen Narrative anzupassen.
Als ob es der Plan sei, mit der Anpassung weiterhin die wahre eigene Identität zu leugnen und weitere abnehmende Schülerzahlen in Kauf zu nehmen …!?

Worüber hatten wir im ersten Workshop überhaupt diskutiert?
Über „Wasch‘ mich, aber mach mich nicht naß“?

🤯

Ich setzte mich sodann also ebenfalls in die Mitte.

Bevor ich zu Wort kam, mußte ich jedoch noch ein wenig warten.
Auch wenn noch genug Zeit auf der Uhr war, erlebte ich diese Sekunden als wäre gerade schon ein feierliches Schlußwort gesprochen worden und ich dürfte jetzt noch schnell einen mit einstimmenden Satz sagen, bevor gleich wieder alle nach Hause gehen.

Mir wurde dann das Wort gegeben.
Ich: „Ich habe das Empfinden, daß wir uns hier lediglich in Worthülsen und Seifenblasen bewegen. Ich denke, daß das hier nur ein Strohfeuer ist!“

Merklich änderte sich die Atmosphäre und ich wurde von einer der beiden organisierenden und engagierten Mütter gefragt, was ich damit konkret meinte.

Ich holte aus und wiederholte mehr oder minder, was ich bereits im ersten Workshop gesagt hatte.
Während ich sprach, hielt ich Blickkontakt in die äußere große Runde und sah viele zustimmende Gesichter.

Ich sagte, daß da draußen so viele Menschen sind, die zwar die Michaelsschule durchlaufen haben, aber die in den letzten Jahren keinen Anschluß zur Anthroposophie und damit auch zu Waldorfschulen gefunden haben, weil auch Dornach seine Hausaufgaben nicht gemacht hat und man lieber den ahrimanischen Narrativen gefolgt ist.
So viele Menschen da draußen sind während der letzten Jahre dem gefolgt, was die politisch-mediale Autorität als das Gute angepriesen hatte, stellen nun aber fest, daß es nicht das wahre Gute war …

Erneut wurde ich von der organisierenden Mutter gefragt:
Ob ich denn eine konkrete Idee hätte, was zu tun wäre.

Ich überlegte kurz, ob ich nun den Fokus auf die Identitätsfrage oder auf die Gender-Thematik legen sollte.
Ich legte den Fokus auf die Frage, ob Gendern ein Phänomen des geistigen Wachstums oder des geistigen Verfalls ist.

Ich betonte auch, daß hier keine moralische (á la „Ist Gendern gut oder böse?“) sondern eine wirklich sachliche Frage gestellt werden muß, die dann erkenntnis-, geistes- und sozialwissenschaftlich beantwortet werden sollte.
Ein ganzes Wochenende sollte um diese Frage öffentlich und transparent gerungen werden.
Denn derzeit wird unbewußt gegendert ohne beispielsweise die Frage zu stellen, ob es sich dabei womöglich um geistig-seelischen Mißbrauch handeln könnte, während in der Politik immer offensichtlicher werdend auch schon alles für die Legitmierung von Pädophilie vorbereitet wird.

Wieder sah ich viele nickende Köpfe.

Daraufhin wurde ich der organisierenden Mutter auch gefragt, ob ich ein solches Wochendene denn organisieren würde.

Ich verneinte die Frage und spielte den Ball zum Goetheanum.
Dornach sollte trotz all meinen erlebten Enttäuschungen noch eine weitere Gelegenheit bekommen.
Genau an diesem Ort sollte man dazu bereit sein, eine solche Veranstaltung zu organisieren.
(So wie ich es in diesem Artikel bereits ausgeführt habe.)

Frau Vanessa Pohl stellte mir diese Fragen nicht.
Sie versuchte mich zu bremsen.
Ich wehrte mich jedoch gegen das Einbremsen, während aus dem äußeren Kreis und in meinem Rücken – gegen die Diskussionsregel(!) – eine Stimme äußerte, daß das Gender-Thema für sie auch keine Relevanz habe.
Frau Vanessa Pohl sagte dann, daß das hier nicht der richtige Ort sei, um die Gender-Thematik zu thematisieren.
Ich sollte mich damit doch bitte an die pädagogische Sektion wenden.

(Ein klassisches Muster? Wenn es heikel wird, dann wird immer an die Obrigkeit verwiesen. Man selbst „erledigt ja nur einen Job“ und möchte deshalb nicht weiter in der Verantwortung stehen. Aber wenn dann die Obrigkeit kontaktiert wird, bekommt jemand wie ich nichtssagende, vertuschende oder gar keine Antworten. Immer wieder das gleiche Muster der Verantwortungsverschleierrung, um am eingeschlagenen Wege festhalten zu können.)

„Wir beschließen etwas, stellen das dann in den Raum und warten einige Zeit ab, was passiert. Wenn es dann kein großes Geschrei gibt und keine Aufstände, weil die meisten gar nicht begreifen, was da beschlossen wurde, dann machen wir weiter – Schritt für Schritt, bis es kein Zurück mehr gibt.“
(Jean-Claude Juncker)

Während meiner letzten Sätze hatten sich zwei weitere Eltern in den inneren Kreis gesetzt.
Ein weiterer Vater, der sich genau zwischen mich und Frau Vanessa Pohl setzte sowie eine Mutter, die mir gegenüber und zugleich neben Frau Vanessa Pohl saß.

Nach den Worten von Frau Pohl, als sie sagte, daß das Gender-Thema nicht auf diese Elterntagung gehöre, wollte ich gerade mit einer weiteren Enttäuschung im Gepäck aufstehen, als der Mann zwischen Frau Vanessa Pohl und mir ganz leicht meinen Oberschenkel wieder herunterdrückte:

„Bleib ruhig sitzen. Danke für Deinen Mut dieses Thema überhaupt anzusprechen.“

Nachdem er nochmals daran erinnerte, daß nur im Innenkreis gesprochen wird und auf Kommentare von Außen zu verzichten wären, suchte er ebenfalls speziell mit Frau Vanessa Pohl das Gespräch.
Ihn bewegte jedoch wohl eher die Frage, ob die Schweizer Steiner-Schulen nicht ein ähnliches Finanzierungmodell wie die deutschen Waldorfschulen haben könnten.

Danach kam die mir gegenübersitzende Mutter zu Wort und bedankte sich gleichfalls für meinen Mut bei diesem unter vielen Fingernägeln brennenden Thema.
Insbesondere aber erinnerte sie Frau Vanessa Pohl daran, daß Wortmeldungen wie meine nicht sofort abgewürgt werden sollten.
Frau Vanessa Pohl nickte zustimmend.

Es folgte ein weiterer Redebeitrag von einem Vater, der anregte u.a. auch für das, was ich gesagt hatte, einen Raum zur Klärung zu schaffen.

Wenige Momente später setzte ich mich wieder nach Außen ehe die Diskussionsrunde beendet wurde und die Organisatoren Blumensträuße erhielten.

Nachspielzeit

Nach der Diskussionrunde hatte ich noch ein klein wenig Zeit für Gespräche.

In einem Gespräch erfuhr ich, daß im Agora-Magazin vor einiger Zeit bereits ein Artikel erschienen sei, in welchem sich ein Mann kritisch mit der Gender-Sprache auseinandergesetzt hatte.
Dieser Mann sei daraufhin in das Goetheanum zitiert worden …
(Kennt einer meiner Leser diesen Artikel und kann ihn mir zuschicken, damit ich hier auf jenen Artikel verweisen kann?)

🤔

Weiter bekam ich bei meiner Verabschiedungsrunde von vielen Seiten nochmals immer wieder ein „Danke für Deinen Mut“ zu hören.
Wenngleich diese Diskussion ein wenig anders verlaufen ist, so fühlte ich mich dennoch sehr stark an mein Erlebnis nach einer Technische-Mechanik-Klausur erinnert …

Fazit

Wenngleich ich die letzten Monate damit beschäftigt war, gewisse Dinge in anthroposophischene Kreisen aufzubauen und zu organisieren, ist mir mit den Bauernprotesten – rund zwei Wochen vor dieser Elterntagung – klar geworden, daß die Organisation weder zu meinen eigentlichen Stärken noch zu meiner eigentlichen Lebensaufgabe gehört.

Wie beim Fußball, wo ich zähneknirschend immer mal wieder auch als Verteidiger eingesetzt wurde, weil Stammverteidiger ausgefallen sind oder es einen besonderen Gegenspieler zu bewachen galt, kann ich notfalls auch organisieren, ja.
Aber es kann nicht sein, daß alles an mir hängen bleibt.

Ich bin eher jemand, der in den Ring steigt und Inhalte liefert.
Den Rahmen für das geistige Ringen muß jemand anderes organisieren.

Ich will sehen, wer aus der Elternschaft (und aus der Lehrerschaft!) tatsächlich bereit ist, mitzuziehen.
Ich will wissen, ob mich mein o.g. Technische-Mechanik-Klausur-Erlebnis doch noch einholt und ich wieder nur als alleinige Speerspitze dastehen könnte.

Aber insbesondere will ich wissen, wie ehrlich und aufrichtig es Dornach mit uns Eltern meint:

Wenn man sich am Goetheanum nicht dazu bereit erklärt, einen wissenschaftlichen Diskurs über die Gender-Thematik im eigenen Hause führen zu wollen, dann wäre damit dokumentiert, daß das Interesse an einer Beziehung zu uns Eltern nur ein geheucheltes ist.
Da ist dann nichts mit gemeinsam – das sind dann nur Lippenbekenntnisse.
(Politik kennt sich mit geheucheltem Interesse aber bekanntlich aus.)

Mehr noch:
Die jeweiligen Dornacher Verantwortungsbereiche bekundeten in einem solchen Fall, daß sie womöglich nicht nur Opfer sondern zugleich auch Täter innerhalb einer Tyrannei sind, wenn wissenschaftlicher Diskurs nicht gewollt, gepflegt und gefördert wird.
Die Verantwortungsträger am Goetheanum zeigen damit auch, daß sie (nicht nur?) den geistig-seelischen Mißbrauch am Kinde in Kauf zu nehmen bereit sind und sich somit auch die berechtigte Frage stellt, wo da dann noch ein aufrichtiges Interesse an der gesunden Entwicklung unserer Kinder bestehen soll …?

Warum sollten wir Eltern und auch Lehrer für zukünftige Tagungen dann noch das Goetheanum aufsuchen?
Um uns von politischen Reden einlullen zu lassen?

Ich will wissen, ob die Verantwortungsträger am Goetheanum mehr können als nur worthülsenschwingende Mitläuferpolitik.
Ich will wissen, ob hinter dem Etikett der Anthroposophie auch Inhalte zu finden sind.
Ich will wissen, ob nicht nur über Anthroposophie geredet sondern sie auch konkret angewandt werden kann.
Ich will wissen, ob in den Dornacher Vorständen und Bereichsleitungen wie auf der größeren medialen Bühne nur politische Luftpumpen anzutreffen sind.

Ich will Gewissheit!

Ich denke, eine Frist bis zum 01. März 2024 sollten für Frau Constanza Kaliks & Co dicke ausreichen, um öffentlich die Frage zu beantworten, ob ein wissenschaftlicher Diskurs über die Gender-Thematik in Dornach stattfinden kann.

Mit dem Glauben am guten Willen im Menschen bin ich gespannt auf das, was sich in den nächsten Wochen auf die eine oder andere Art und Weise zeigen wird …

Martin Matzat

Martin Matzat ist Philosoph, Referent, Autor sowie Erkenntnis- und Ideologieforscher. Der Dipl. Wirtschaftsingenieur, den die Lösung der sozialen Frage umtreibt, ist bis zur erkenntnistheoretischen Grundlage unserer Weltbilder vorgedrungen und sieht darin die Ursache gegenwärtiger und sich zukünftig wiederholender Ideologien.

Bisher veröffentlichte Bücher:
- Bewußtsein sucht Geld & Freiheit – Finanzielle Freiheit und Networkmarketing im gesellschaftlichen Kontext (2019)
- Die Matrjoschka-Matrix – Erkenntnis und Wahrheit (2020)


Artikel, die Dich ebenfalls interessieren könnten ...

Elterntagung der schweizer Rudolf-Steiner-Schulen ’24: Nur Heuchelei und leere politische Worthülsen?

Elterntagung der schweizer Rudolf-Steiner-Schulen ’24: Nur Heuchelei und leere politische Worthülsen?
  • Danke Martin, für die Einblicke…
    Meine Tochter ging bis Juni 23 auf die Waldorfschule in Leipzig und ich nahm dort auch mit erschrecken wahr, dass es kaum noch darum ging, die Erkenntnisse der Anthroposophie umzusetzen und zu lehren. Nur an wenigen Stellen konnte ich diesen Geist noch spüren und es wurde auch ganz offen gesagt, dass man schließlich zeitgemäße Wege finden muss…
    Während der C-Zeit war ich schockiert, wie systemtreu und hörig sich verhalten wurde. Und auf meine Kritik hin kam nur, dass sie als Schule verpflichtet wären, all diese Richtlinien zu befolgen.
    Doch ich konnte deutlich spüren, dass die meisten Lehrer das wirklich richtig fanden…

    Ein ganz kleiner Trost für mich war, dass meine Tochter diese Schule mochte, sich wohl fühlte und dort unter dem Strich immernoch einiges besser und menschlicher und sinnvoller ablief, als an den staatlichen Schulen.
    Aber davon, was eine Steiner-Schule sein könnte und sein sollte – entfernt sich das Ganze mehr und mehr.
    Und Elterndiskussionen empfand ich meist als so unfassbar kindergartenmäßig – dass ich die Lust und Gelduld verlor, mich da irgendwie zu engagieren – denn es war klar, dass am Ende immer „wischiwaschi“ raus kam – weil man versuchte es allen Recht zu machen, einen Konsens zu finden…
    Am Ende rühmte man sich des Konsens und keiner merkte, dass das Ergebnis sinnlos und öde war – weil der Fokus auf dem Konsens lag, statt auf dem Inhalt und dem Nutzen, dem tieferen Sinn und Zweck der Entscheidung – für die Kinder.
    Und wenn ich spüre, was neben dem Unfug der Gendersprachewas für MM Gedankengut in die Kinder eingebracht wurde, was meine Tochter als GUT und RICHTIG empfindet – krieg ich manchmal Bauchweh… Doch die junge Generation wird ja auch stark durch Medien und Socialnetzwerke geprägt – am Ende kann ich nicht genau sagen, was woher kam… Ich kann aber sagen, dass die Schule es nicht vermochte, das zu verhindern… Aber selbst ich vermochte es ja nicht, das zu verhindern…
    Andererseits liegt es wohl auch daran, dass die Jugend selten die Werte der Eltern übernimmt, sondern eher dagegen revoltiert – um sich selbst und die eigenen Werte zu finden…
    Loslassen, entspannen und vertrauen, ist da gerade meine Übung – alles andere erhöht nur die Kluft.
    Ich dachte als Jugendliche auch, dass ich es besser weiß, als meine Eltern :-))

  • {"email":"Email address invalid","url":"Website address invalid","required":"Required field missing"}

    Anmeldung

    Melde Dich an, um u.a.

    • zur ICH-Souveränität zu finden,
    • über meine Veranstaltungen auf dem Laufenden zu bleiben,
    • oder Manipulationen jeglicher Art frühzeitig zu erkennen.
    >