Was ist Eigentum?

Bei Steemit kreisen Bots herum.

Es sind Programme, die ausfindig machen, ob ein Artikel oder auch Textpassagen des Artikels lediglich kopiert wurden.

 

Die Plagiats-Diskussion ist aus einer bestimmten Motivation heraus schon sinnig.

Aber mit Blick auf das Prinzip der Blockchain auch widersprüchlich, weil die Definition von Eigentum immer relativ ist.

Beginnen wir deshalb mit der Frage nach dem Eigentum.

 

Was heißt Eigentum?

In der deutschen Sprache gibt es eine ungeschriebene Regel:

Aus jedem Substantiv kann man ein Verb machen und aus jedem Verb ein Adjektiv.

So zum Beispiel Haus – hausen – häuslich.

Oder beispielsweise Liebe – lieben – lieblich/liebevoll.

 

Wie lautet das Adjektiv zu Eigentum?

 

„Die deutsche Sprache ist nach allgemeinem Einverständnis eine der wichtigsten der Welt, tief und schwer an Sinn und Geist, in ihren Gestalten und Bildungen unendlich frei und beweglich, in ihren Färbungen und Beleuchtungen der innern und äußern Welt vielseitig und mannigfaltig. Sie hat Ton, Akzent, Musik.

Sie hat einen Reichtum, den man wirklich unerschöpflich nennen kann und den ein Deutscher mit dem angestrengtesten Studium eines langen Lebens nimmer umfassen mag.“

Ernst Moritz Arndt (1769 – 1860)

 

Ich bin ganz gewiß kein Sprachwissenschaftler.

Aber vom Wortstamm her trifft es eigentümlich schon ganz gut.

 

Dabei könnten die Bedeutungen für eigentümlich widersprüchlicher und paradoxer kaum sein.

Einerseits steht der Begriff für charakteristisch – womit unsere Vorstellung einer präzisen Definition für Eigentum bestätigt wäre.

Und andererseits steht er für befremdlich.

(Diesem Thema des Eigentums könnte ich an dieser Stelle mehrere Artikel widmen, möchte allerdings lediglich dazu anregen, daß wir uns in unseren Vorstellungen zu und über gewisse Dinge wegen der vielfachen Definitionsfeilscherei selbst limitieren und dadurch blind werden.)

 

Das Problem bei der Suche nach Definitionen

Der Mensch möchte sich die Dinge gerne erklären können.

Dabei versucht er die Dinge, die ihn umgeben, im einzelnen zu ergründen und seine Erkenntnisse („wissenschaftlich genau“?) festzuhalten.

 

Dadurch, daß er bei solcherlei Erklärungsversuchen jedoch ein einzelnes Teil von dem großen Ganzen isoliert, verkennt er vielfach die Wechselbeziehungen, die das einzelne Teil mit dem großen Ganzen hat.

Seine Erklärungsversuche ziehen also Grenzen und künstliche Barrieren, wo genau genommen gar keine sein dürften.

Daß die Definitionen des Menschen ab einem gewissen Punkt deshalb Löcher bekommen, ist also die logische Konsequenz eines gravierenden Irrtums, der mit seiner unbewußten Betrachtungsweise beginnt.

 

Wann beginnt Eigentum?

Eine libertäre Grundthese lautet, daß der Mensch im Naturzustand das Eigentum an sich selbst hat.

So ziemlich jeder Mensch wird in seinem Gerechtigkeitsempfinden dieser These zunächst zustimmen.

 

Im Folgenden gehe ich nun aber auch davon aus, daß der Mensch bei jener These nur als ein materieller Körper betrachtet wird.

Der Körper eines Menschen ist sein Eigentum, ok.

Das mag aus einer gewissen Perspektive heraus Sinn ergeben.

Doch können wir wirklich von Eigentum sprechen, wenn alle paar Jahre die gesamte Molekularstruktur unseres Körpers ausgetauscht wird?

 

Das Eigentum befindet sich über die Zeit gesehen also in einem stetigen Wandlungsprozeß.

Wir können nur schwerlich auf Zellen, die unserem Körper seit 2 Jahren nicht mehr dienlich sind noch irgendwelche Eigentumsansprüche anmelden.

Das ist eigentümlich im Sinne von eigenartig und befremdlich.

 

Hinzu kommt, daß wir bei unserem irdischen Ableben unseren Körper als unser Eigentum auch nicht mit ins Jenseits nehmen können.

Wir geben unseren materiellen Körper wieder dem Planeten zurück, auf welchen wir unser ganzes Leben verbracht haben.

 

Und dieser Planet läßt durch biochemische Prozesse aus unserem Körper dann neue Körper entstehen.

Wasser, Erde, Bäume oder auch Äpfel, die von anderen Tieren und Menschen verspeist werden, damit sich ihr Körper einem weiteren Wandlungsprozeß unterziehen kann.

 

Wäre es deshalb nicht präziser wie in der Juristerei bereits angestoßen zwischen Eigentum und Besitz zu unterscheiden?

Wäre es deshalb nicht genauer den Zeitfaktor zu berücksichtigen und zu sagen, daß der Mensch seinen Körper besitzt?

 

Was ist Gemeineigentum?

Wenn also die Definition von Eigentum etwas ist, was den Zeitfaktor ausspart, dann wird dieser „Fehler“ bei der Definition von Gemeineigentum wohl auch vorfinden zu sein.

Der ausgesparte Zeitfaktor bei der Definition von Gemeinschaftseigentum zeigt sich bei einem aufrüttelnden Ausspruch in der immer wieder aufkommenden Kritik bezüglich unserer Konsumhaltung:

„Wir haben die Erde von unseren Kindern und Enkelkindern nur geliehen!“

 

Es ergeben sich bei der Definition von Gemeinschaft allerdings noch weitere Probleme.

Denn was ist, wenn eine Gemeinschaft, die glaubt gewisse Güter sein Eigentum nennen zu können, Teil einer noch größeren Gemeinschaft ist?

Wem gehören dann diese Güter?

Wann beginnt eine Gemeinschaft und wo endet sie?

 

Kann die gesamte Menschheit über Generationen hinweg wirklich als eine Gemeinschaft betrachtet werden, die auf die Erde Eigentumsansprüche anmeldet?

Oder gehört die Erde nicht vielleicht doch eher sich selbst, so wie der Mensch sich selbst gehören möchte?

 

Auf jeden Fall können wir festhalten, daß uns die Erde permanent gibt aber sich auch wieder nimmt.

Es ändern sich also beständig die Besitzverhältnisse.

 

Was ist Privateigentum?

Auch bei dem Begriff privat beleuchtet die Sprachkunde eine neue Perspektive.

Denn der lateinische Begriff privare beispielsweise bedeutet berauben.

Wenn allerdings jegliches Eigentum niemandem gehört, sondern sich über die Zeit gesehen lediglich die Besitzverhältnisse wandeln, dann ist selbst die gesellschaftliche Akzeptanz von Privateigentum nichts anderes als die Einsicht, daß sich in einer vom materiellen Bewußtsein geprägten Welt nach ihrer eigenen zeitlichen Definition gerade wieder die Besitzverhältnisse verschoben haben.

Privateigentum wäre demnach kein Vergehen an dem Gemeineigentum sondern lediglich ein zeitliche Beschreibung von Besitzverhältnissen.

 

Sofern wir uns jedoch auf die Ebene des Gerechtigkeitsempfinden herablassen, beginnen die Streitereien und Auseinandersetzungen zwischen dem, was der Gemeinschaft und dem, was dem einzelnen gehört.

Auch hier findet im Geiste eine permanente Trennung statt, die schon ein charakterlicher Grundzug einer jeden Definition ist.

 

Nach dem libertären Definitionsansatz von John Locke wird durch Arbeit kollektives Eigentum in privates Eigentum umgewandelt.

Wenn nämlich beispielsweise Äpfel von einem Baum gepflückt werden, welcher einer Gemeinschaft gehört, dann würde die Gemeinschaft einen Nutzen daraus ziehen, daß sich jemand die Arbeit der Apfelpflückerei gemacht hat.

Dieser für die Gemeinschaft erbrachte Mehrwert könnte sich der Apfelpflücker deshalb nun von der Gemeinschaft bezahlen lassen.

 

Der „Energieausgleich“ für den erbrachten Mehrwert drückt sich dann in einem höheren Preis für einen Apfel aus.

Was zuvor von Mutter Natur geschenkt wurde, wird bei nächster Gelegenheit verkauft.

Geschenkt ist dabei ebenfalls eine relative Definition, weil mindestens die Investition von Zeit getätigt werden muß, um überhaupt einen Apfel pflücken zu können.

Daß Zeit Geld ist, ist also – sofern der Apfelpflücker nach einem direkten „Energieausgleich“ strebt – gar nicht so weit hergeholt.

 

Was ist geistiges Eigentum?

Zweifelsohne kommt man beim Philosophieren über Eigentum in Bereiche, die nicht nur die Juristerei hinterfragen.

Denn im nächsten Schritt wackeln auch jegliche Gewaltmonopole in der Hand von Gemeinschaftsverwaltungen (-> Staaten), so daß der Sinn einer existierenden Gemeinschaftsverwaltung an sich zu hinterfragen ist.

Schließlich braucht es bei allem emotionalen Empfinden für Recht und Unrecht jemanden, der die Grenzen unserer Definitionen wahrt…!

 

In der Welt von Patentrechten werden jedenfalls nicht nur materielle Erscheinungsformen für einen bestimmten Zeitraum monopolisiert.

Es werden auch rechtliche Ansprüche darauf angemeldet wer welchen Gedanken zu erst gedacht hat.

(Welch ironisches Kindergartengehabe in einer Gesellschaft, die sich anmaßt der Gipfel der Schöpfung zu sein…!)

 

Doch jetzt mal ganz allgemein:

Woher kommen die Gedanken?

Wo entstehen sie?

Entstehen sie wirklich in unserem Kopf?

 

Doch selbst wenn sie in unserem Kopf entstünden, bräuchte es von Außen irgendeinen Impuls, der unsere Gedanken anstößt.

Und woher kommt nun dieser (elektromagnetische) Impuls?

Haben wir womöglich noch nicht einmal einen freien Willen, weil wir lediglich auf solcherlei Impulse reagieren?

 

In unserem Definitionsgehabe würden wir sehr wahrscheinlich sogar behaupten, daß wir agieren und dabei verkennen, daß unsere „Aktion“ zweifelsohne eher eine Reaktion auf etwas ist.

 

Auch beim geistigen Eigentum werden Grenzen gezogen und Barrieren aufgebaut, wo in der Realität gar keine sind.

Zu Hauf rechtfertigen wir die Errungenschaft von Patenten damit, daß sie sogar unseren gesellschaftlichen Wohlstand mehren würden.

Wie aber soll das gehen, wenn innerhalb einer Gemeinschaft Grenzen und Barrieren existieren?

 

Was auf materieller Ebene gilt, soll auch auf geistiger Ebene gelten.

Unser emotionales Empfinden für Recht und Unrecht wird demnach auch hier aktiv.

Doch wenn auf materieller Ebene zwischen privatem und gemeinschaftlichen Eigentumsverhältnissen unterschieden wird, dann müßte dieses Prinzip auch auf geistiger Ebene angewandt werden.

Es „gibt“ also privates und gemeinschaftliches geistiges Eigentum.

 

Jeder Mensch, der schon auf materieller Ebene über die Löcher in unseren Eigentumsdefintionen gestolpert ist, der wird auch auf der geistigen Ebene diese Irrtümer vorfinden.

 

Angenommen es gibt tatsächlich irgendwo im Universum irgendwo einen geistigen und zeitunabhängigen Raum, in welchem sich sämtliche Gedanken befinden, die jemals von Menschen erdacht wurden und noch erdacht werden. (Vgl. Akasha-Chronik)

Diese Ansammlung von Gedanken, wäre also ein Allgemeingut, auf dessen kostenlosen Zugriff jeder Mensch ein „Recht“ hätte.

 

Wer nun für sich beansprucht der alleinige Eigentümer bestimmter Gedanken zu sein, würde auch hier die Gemeinschaft durch seine privaten Gedanken berauben, weil auf einmal niemand anderes mehr diesen Gedanken ohne Erlaubnis verwenden darf.

So mancher Verfechter geistigen Eigentums könnte an dieser Stelle nun entgegnen, daß beispielsweise auch der geistige Weg zur oder „die Übersetzung“ der Akasha-Chronik eine Form von Arbeit darstellt, so daß auch auf geistiger Ebene ein Recht auf Privateigentum vorliegen sollte.

 

Ja, das stimmt.

Auch auf geistiger Ebene werden Arbeiten getätigt, die eine Argumentation für Privateigentum rechtfertigen könnten.

Aber ist das Kopieren von Ideen nicht auch eine Form von Arbeit?

Warum wird das Kopieren von Ideen in unserer Gesellschaft als verwerflich angesehen?

 

Unsere Kinder machen das doch auch und haben dadurch den größten Lerneffekt!

Wenn wir unserem Rechtsempfinden treu blieben, müßten wir die kleinen Plagiatoren immerzu verklagen – wohlgemerkt jene Menschengruppe, welcher jener Planet gehört, welchen wir gerade für uns nutzen.

 

„Der Mensch hat dreierlei Wege klug zu handeln: erstens durch nachdenken, das ist der edelste, zweitens durch nachahmen, das ist der leichteste, und drittens durch Erfahrung, das ist der bitterste.“

Konfuzius

 

Wie schnell wir unsere widersprüchliche Denke und unser daraus resultierendes Verhalten erkennen wollen, steht auf einem anderen Blatt.

Denn schließlich muß unsere gegenwärtige Definition von Wohlstandsmehrung beschützt werden, weil es auch einige Egos zu wahren gilt…!

 

[Dies ist der sechste Artikel zu einer kleinen aber feinen Steemit-Artikelserie.]

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Gesamt

Martin Matzat

Ich zeige über verschiedenste Geldaspekte die Mißstände in unserer Außenwelt auf, um im Anschluß den Irrtum an und in uns selbst sichtbarer zu machen.

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