23. August 2017

Facebook-Alternative Steemit – Worin sich die Kommentare unterscheiden

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„Nice Post! I follow you! Follow me @MaxMustermann!“

Ich möchte mal behaupten, daß so ziemlich jeder neue Steemianer mit solcherlei Kommentaren konfrontiert wird.

Es sind Kommentare, wie man sie zuvor weder auf Facebook, noch auf Twitter noch auf sonst einem anderen sozialen Netzwerk erlebt hat.

Läßt sich daran allein aber nun wirklich festmachen, daß auf der Facebook-Alternative definitiv eine andere Kommentarkultur herrscht?

 

Warum sich Menschen dafür entscheiden auf Steemit mitzumachen

Vielleicht bin ich da ungerecht und zu pauschal.

Aber ich möchte behaupten, daß mindestens 90 Prozent jener Menschen, die Steemit für sich entdeckt haben, nur des Geldes wegen diese Plattform näher für sich untersucht haben.

Ok, dabei unterscheiden sich die Steemianer womöglich.

Die einen, die einfach nur eine neue Blockchain-Idee ausprobieren wollen und dann dabei bleiben.

(Die Blockchain hat seit Bitcoin etwas mit Geld zu tun. Also schon immer.)

Und dann die anderen, die deshalb bei Steemit einsteigen, weil jemand davon erzählt hat, daß man hier auch für Kommentare Geld bekommen könnte.

 

Noch ist Steemit nur bedingt eine Facebook-Alternative.

Denn schließlich kann Steemit nach einem Jahr des Bestehens noch nicht die Nutzerzahlen aufweisen, die Facebook bis heute aufgebaut hat.

Doch sobald die Nutzerzahlen auch hier signifikant zunehmen – und das tun sie gerade nicht nur des Geldes wegen – werden selbst die intensivsten Facebook-Nutzer irgendwann womöglich erkennen müssen, daß sich „niemand“ mehr für Facebook interessiert.

(Vgl. Zensur auf Facebook und Youtube – Ein weiterer Hinweis auf den überschrittenen Zenit?)

 

Wer dann im sozialen Austausch und Kontakt bleiben oder gar soziale Netzwerke für sein Online-Marketing nutzen möchte, wird dann womöglich zu Steemit wechseln müssen, weil dort „jeder“ ist.

Dann geht es eher sekundär darum mit einem Kommentar unbedingt ein paar Cent zu verdienen.

 

Gerade für die Online-Marketer geht es dann eher um Anerkennung und Reichweite.

Dort wandeln sich dann die Ego-Glaubenssätze.

Aus „Ich bin, was ich besitze!“ wird „Ich bin mein guter Ruf!“

 

Warum auf Facebook und Steemit kommentiert wird

Auf Facebook sind die Vorgänge wie das Gefällt-mir-Geben, das Teilen oder auch das Kommentieren zur Gewohnheit geworden.

Wir nutzen es schließlich schon sooooo lange.

 

Es ist womöglich eine anerzogene Routine, die wir nur dann erkennen, wenn wir versuchen uns selbst intensiver zu beobachten.

Deshalb ist davon auszugehen, daß auch bei Steemit das Up-voten, das Resteemen und das Kommentieren irgendwann zur Routine gehören.

 

Wir können festhalten, daß jede soziale Gruppe – egal ob nun offline oder ein ganzes soziales Netzwerk im Internet – gewisse Regeln hat, die nirgendwo geschrieben stehen, aber die der Gewohnheit wegen als guter Umgangston gelten.

Jede soziale Gruppe findet und organisiert sich mit der Zeit selbst.

Es findet also ein gewisser Selbstregulierungsprozeß statt.

In sofern wird es relativ schwierig schon jetzt einen Vergleich zwischen Facebook und Steemit zu ziehen.

Facebook existiert seit Anfang 2004 und Steemit seit Mitte 2016.

 

Denn während sich „das Gemeinschaftsleben“ bei Facebook eher langsam ändert (z.B. auf Grund von Erweiterungen im Funktionsumfang), ist die neue Facebook-Alternative in ihrem Sein noch in der Findungsphase.

Die Stimmungsschwankungen sind bei Steemit deshalb noch deutlich volatiler.

Denn es ist zu bedenken, daß wohl kaum ein Steemianer in irgendeinem sozialen Netzwerk eine gewisse Erfahrung in Geldflüssen für Artikel und Kommentare hat sammeln können.

Das ist absolutes Neuland.

 

Man könnte nun meinen, daß auf Facebook tendenziell eher aus einer intrinsischen Motivation heraus kommentiert wird.

Der Kommentar erfolgt also auf Grund eines inneren Impulses, einer inneren Motivation.

Parallel dazu kommentiert der Steemianer hingegen gerade zu Beginn eher aus einer extrensischen Motivation heraus.

Der Kommentar erfolgt, in der Hoffnung für jenen Kommentar auch ein wenig Geld zu verdienen.

 

Dennoch gibt es sowohl bei Facebook also auch bei der Facebook-Alternative eine Schnittmenge.

Nämlich genau dann, wenn es bei den eigenen Kommentaren um Anerkennung geht, die sich bei Steemit z.T. auch in Geld ausdrücken läßt.

Das Ego als das falsche Selbst spielt auch hier also wieder eine Rolle.

 

Und schon kommen wir an einen Punkt, an welchem wir uns die Frage stellen sollten, ob es wirklich Unterschiede zwischen intrinsischer und extrensischer Motivation gibt, wenn beide Motivationen nur deshalb existieren, weil das eigene Ego gefüttert werden will.

 

Die grundsätzliche Frage, die sich also stellt, ist, ob das eigene Ego den Impuls für einen Kommentar gibt.

Wenn ja, dann verpassen wir dem Kind vielleicht einen anderen Namen.

Die Motivation ist aber letztlich die gleiche.

 

Der Grundgedanke zur Steemit-Kommentarkultur

Wer die Steemit-Gemeinschaft mit guten Artikeln bereichert und wer gute Kommentare schreibt, der soll auch eine Belohnung erhalten.

(Belohnung für das, was wir tun, kennen wir nicht erst seit Steemit.

Dieser durchaus fragwürdige Umgang innerhalb unserer Gesellschaft soll an dieser Stelle jedoch nicht weiter thematisiert werden.)

 

Dadurch verspricht man sich, daß sich Qualität in Artikel und Kommentaren am Ende durchsetzen wird, weil fehlplatzierte Äußerungen keine müde Mark für ihren Zeit- und Energieaufwand bekommen.

Doch daß dieser Grundgedanke noch nicht überall angekommen ist, zeigt sich bei einigen Steemit-Neulingen, die bei vielen neuen Artikeln zu Hauf Kommentare wie den Eingangs erwähnten hinterlassen:

„Nice Post! I follow you! Follow me @MaxMustermann!“

 

Wie es auf Facebook und Steemit zu Spam kommt

Auch auf Facebook gab es schon immer Störenfriede.

Wenn sie in Gruppen auftraten, sind sie bei entsprechender Gruppenorganisation früher oder später rausgeflogen.

Wenn jemand auf der Timeline eines anderen Profils nur Müll von sich gibt, hat man die Möglichkeit den Störenfried zu blockieren.

Wenn jemand in seinem eigenen Profil Blödsinn von sich gibt, interessiert es niemanden und man läßt ihn links liegen, so daß er irgendwann seine Facebook-Karriere an den Nagel hängt.

 

Bei Steemit scheinen diese Störenfriede mit ihrem Ego nun schneller sichtbar  zu werden.

Sie demaskieren sich schneller, weil sie sich vom Geld haben „kaufen“ lassen.

 

Doch wer nicht erst seit gestern bei Facebook aktiv ist, der wird mitbekommen haben, daß so manches Nutzerprofil auf Facebook nicht wirklich echt ist.

Ein Beispiel sind die Freundschaftsanfragen von Sex-Kontakt-Profilen, wohinter wohl ausschließlich Geldabzocke steckt.

Ein anderes Beispiel zeigte sich während der Mahnwachen-Bewegung 2014, wo auf aktiven Profilen und in aktiven Facebook-Gruppen Trolle ausgemacht wurden, die der Spekulation nach der Antifa entstammten.

Schließlich muß Staat seine Antifa finanzieren, wenn sich eine grundlegende Staatskritik breit macht.

Auch die Antifa-Aktivisten auf Facebook sind demnach „gekauft“.

Nur ist es hier nicht ganz so offensichtlich.

 

„Der Geist denkt, das Geld lenkt.“

Oswald Spengler

 

Was tun bei unangebrachten Kommentaren?

Unangebracht ist natürlich relativ und liegt im Auge des Betrachters.

 

Doch im Extremfall kann man bei Facebook den Kommentator dauerhaft blockieren.

Wer will, kann ihn bei aller Zensur auf Facebook auch anschwärzen und ihn bei politischer Brisanz der Fake News oder der Hasspredigten bezichtigen.

 

Bei Steemit kann man den unangebrachten Kommentar flaggen, wodurch er an Reputation im Netzwerk verliert.

Wer mitbekommt, daß er geflaggt wurde, könnte nach dem Prinzip wie-Du-mir-so-ich-Dir zurückflaggen.

Jedoch sollte hier auch das Reputationsverhältnis im Steemit-Netzwerk beachtet werden.

 

Wenn jemand mit großer Reputation beispielsweise einen Neuling flaggt, um ihn an „die Regeln“ zu erinnern, dann verliert der Neuling deutlich an Reputation.

Flaggt der Neuling das Steemit-Schwergewicht (->Wal), dann juckt das nicht die Bohne.

 

Falls Kommentare jemanden in ein Schuldgefühl bringen, um besser einen Ausgleich fordern zu können („I follow you! Follow me!“), ist es jedem selbst überlassen, ob er der Forderung des neuen und womöglich nicht ehrlich interessierten Kommentators nachkommt.

Denn irgendwann müssen unangemessene Schuldgefühle und das Geben unter Bedingung schließlich ein Ende haben.

 

[Dies ist der dritte Artikel zu einer kleinen aber feinen Steemit-Artikelserie.]

Du findest diesen Artikel gut? Falls Du bereits ein Steemit-Profil besitzt, kannst Du ihn hier upvoten. ?

Martin Matzat

Martin Matzat ist Philosoph, Blogger und Autor sowie Erkenntnis- und Ideologieforscher. Der Dipl. Wirtschaftsingenieur, den die Lösung der sozialen Frage umtreibt, ist bis zur erkenntnistheoretischen Grundlage unserer Weltbilder vorgedrungen und sieht darin die Ursache gegenwärtiger und sich zukünftig wiederholender Ideologien.


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  • Sehr interessant deine Artikelserie über Steemit, Martin. – Ich habe schon vorher mal über Steemit gelesen, aber leider keine Antworten auf meine bez. Fragen erhalten. Habe auch versucht, mich zu registrieren, hat leider nicht geklappt…. – Ja, ich gehöre zu denen, die wegen der Möglichkeit zu verdienen an Steemit interessiert sind. Denn ich verbringe sehr viel Zeit damit, Content in Blogbeiträgen zu liefern; das ist mir wichtig, aber ich muss irgendwoher auch mein Einkommen beziehen.
    Meine Hauptfrage ist: Wer hat das Recht an den auf Steemit veröffentlichten Beiträgen? Anders gefragt: dürfen diese auch woanders, genauer auf der eigenen Website veröffentlicht werden?

    • Liebe Jutta,
      freut mich, daß Dir die Artikelserie gefällt. 🙂

      Ich veröffentliche jeden Artikel sowohl auf meinem Blog als auch auf meinem Steemit-Profil.
      Dabei hatte ich für die vorigen beiden Artikel mal ein WordPress-Plugin für Steemit ausprobiert (https://github.com/recrypto/wp-steem), womit ich aber aus diversen Gründen (u.a. die Formatierung) nicht so wirklich zufrieden bin.
      Da hatte bislang noch kein Steemit-Bot oder so gemeckert, daß jener Text auch auf meinem Blog zu finden ist.

      Den heutigen Blogartikel habe ich auch in meinen Steemit-Blog hineinkopiert.
      Allerdings habe ich dazu im WordPress-Backend nicht die visuelle Ansicht gewählt, sondern die Textansicht mit den ganzen html-Codes.
      (Unter den Überschriften habe ich dann bei Steemit allerdings noch ein
      mit eingefügt.)
      Ich vermute, daß auch das o.g. Plugin so ähnlich arbeitet und daß deswegen auch kein Bot bislang meint mich denunzieren zu müssen, weil im Hintergrund die html-Sprache zu erkennen ist.
      Muß ich aber mal abwarten, was und ob sich da noch etwas bewegt. 🙂

      Zu dieser Plagiatsdiskussion auf Steemit habe ich allerdings auch schon einen Artikel in der Pipeline. 😉

      Liebe Grüße,
      Martin

      P.S: Bis Du von Steemit für Deine Registrierungsanfrage Bescheid bekommst, können 4 Tage vergangen sein! 😉

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