Warum regionale Onlinemärkte mit Regionalgeld der nächste Entwicklungsschritt sind

 

„Längere Ladenöffnungszeiten!“

50.000 Läden könnten auf Grund des Online-Handels bis 2020 ihre Existenz verlieren.

Und längere Ladenöffnungszeiten ist die Lösung des Handelsverbands Deutschland…?!

 

Mal wieder.

 

Hört sich irgendwie so an als wüßte ein Vertreter nicht um die Probleme jener, die er vertritt.

Ein Staubsaugervertreter verkauft Staubsauger, ein Versicherungsvertreter verkauft Versicherungen. Was macht dann ein Volksvertreter?

 

Da fließt Kaufkraft ab!

Und es stellt sich daher auch eher die Frage, wie die Kaufkraft in der Stadt oder in der Region gehalten werden kann.

 

So einige Regionalgelder, Stadtgelder und Tauschringe hatte ich ja schon vorgestellt, die einen ersten Ansatz zur Eindämmung des Kaufkraftabflusses zu leisten versuchen.

Allerdings sollte dabei auch bedacht werden, daß Menschen wie Du und ich sich gerne im Internet informieren.

Denn ansonsten würdest Du diesen Blogartikel vermutlich nicht lesen… 😉

 

Wenn Städte und Regionen also die Zeitqualität für den Erhalt oder gar Aufbau einer in sich stabilen Region nutzen wollen, dann kommen sie um diese technischen Möglichkeiten und Entwicklungen des Internets (noch) nicht drumrum.

(Das Für und Wider unserer mehr technisch funktionierenden als menschlichen Gesellschaft ist ein anderes Thema.)

 

Der Regionalgeld-Idealismus allein reicht nicht, um den Konsumenten von heute für neue Zahlungsmittel zu begeistern.

 

Das heißt also, daß es eine Art Onlineschaufenster für die regionalen Erzeugnisse geben sollte.

Und diese Ansätze sind da.

 

Ein regionaler Onlinemarkt auf Euro-Basis ist ein Anfang, aber…

Zugegeben.

Ein regionaler Onlinemarkt allein reicht nicht aus, um die Kaufkraft in der Region zu halten.

 

Denn wenn das Geschäft, in welchem mit Euro eingekauft wird, seine Waren außerhalb der Region einkauft, dann ist die Kaufkraft trotzdem weg.

Klingt vielleicht sch%!& – ist aber so!

 

(Norbert Rost erklärt den Kaufkraft- und Fachkräfteabfluß in seinem Video über Regionalgeld sehr schön.)

 

Um die Kaufkraft wirklich in der Region zu halten und um für die heimischen Betriebe zu werben, macht es Sinn den regionalen Onlinemarkt-Gedanken als regionales Schaufenster mit dem des Regionalgeld-Gedankens zu verknüpfen.

 

Beide Elemente allein sind eher Spielkram – zusammen aber eine echte Hausnummer!

 

Und es stimmt echt optimistisch, daß es zu jedem Trend auch einen darauf reagierenden Trend gibt:

 

Denn auch wenn amazon dem stationären Handel das Leben schwer macht (vgl. Bericht vom ARD-Magazin plusminus), so machen sich immer mehr Menschen darüber Gedanken, wie sie gegen diese Entwicklungen gegensteuern und sie gleichzeitig für sich nutzen können.

 

Die nachfolgenden Onlinemärkte sind eine solche Entwicklung – genauso wie der Trend der Stadtgelder.

 

Und nun stell Dir bei diesen Entwicklungen deshalb mal folgendes Szenario vor:

 

Ein hochfrequentierter Onlinemarkt mit anderem Geld als Euro!

 

Wäre das nicht der Hammer? 🙂

 

Nicht nur der Einzelhändler darf sich mit der Onlinevermarktung näher auseinandersetzen

 

Das heißt aber auch, daß der stationäre Einzelhändler seine physische Unbeweglichkeit nicht auf sein Verhalten übertragen sollte.

Bleibt sein Verhalten statisch, gehört er zu den geschätzten 50.000 Einzelhändlern, die ins Gras beißen werden – mal abgesehen von den wirtschaftlichen Turbulenzen wegen Euro & Co, die eh noch auf uns alle zukommen werden.

 

Sich mit der Onlinevermarktung auseinanderzusetzen, das sollte auf jeder To-Do-Liste eines jeden Einzelhändlers ganz weit oben stehen.

 

Denn falls der Einzelhändler einen Laden in einer Stadt besitzt bzw. eröffnet und sich denkt: „So, hier bin ich und nun kauft mal liebe Leute!“ dann wird er scheitern.

Wenn er wie der Handelsverband Deutschland glaubt, daß längere Ladenöffnungszeiten das Symptom des Kaufkraftabflusses an der richtigen Stelle behandeln, dann wird er scheitern.

 

Und auch wenn er diese bequemliche Haltung mit ein paar Anzeigen in Tages- und Wochenzeitungen zu kaschieren versucht, so wird er ebenfalls scheitern.

Denn die Menschen wachen auf und lesen immer weniger aus der Systempresse, die ihre Artikel größtenteils noch von der dpa bezieht.

 

8 regionale Onlinemärkte als inspirierende Beispiele

Gibt es in einer Branche viel Geld zu verdienen, stehen neue Wettbewerber Schlange.

Wird ein Unternehmen in einer bestimmten Branche für den Idealisten zu dominant, wird der Idealist ebenfalls zum Wettbewerber.

 

Fakt ist also, daß sich in Sachen Onlinemärkten gerade etwas bewegt. 😉

 

1. The Food Assembly

Region: West-Europa

Food Assembly ist ein Portal für Lebensmittel, welches online die Warenbestellungen bei den einzelnen Landwirten sammelt, um im Anschluß einen lokal-physischen Markt zu organisieren.

Die Idee der Food Assembly ist eine sehr schöne Initiative, die außerdem einen Gegenimpuls zu unserer Wegwerfgesellschaft bietet.

Denn so kann nicht verkauftes Gemüse noch auf den Äckern bleiben anstatt nach und nach an Lebensenergie zu verlieren…

Außerdem erwähnenswert: Jeder kann Organisator einer solchen Assembly sein und sich ein paar Euronen dazuverdienen.

 

2. Locafox

Region: Deutschland

Bei Locafox kannst Du eine deutsche Stadt oder Region wählen, aus welcher Du kommst.

Dann werden die Unternehmen gelistet oder geografisch aufgeführt und bei einem Klick auf das Unternehmen siehst Du die verschiedenen Produkte, die dieses Unternehmen anbietet.

 

3. SIMPLY LOCAL

Region: Deutschland

Bei SIMPLY LOCAL wählst Du eine deutsche Stadt, aus der Du kommst und es werden alle umliegenden Unternehmen aufgelistet, die ihre Produkte über diesen Onlinemarkt anbieten.

 

4. Findeling

Region: Hamburg

Bei Findeling kommen nur Läden auf den Online-Marktplatz, die etwas Nachhaltiges oder auch Besonderes anzubieten haben.

Und außerdem wird über einen Blog auch immer mal wieder über die nettesten Läden der Hansestadt informiert.

 

5. Bauerntüte

Region: Köln und Umgebung

Die Bauerntüte ist ein Onlineshop der in Gemüsekisten Produkte direkt vom Bauern in die Städte rund um Köln liefert.

 

6. Rio Aschaffenburg

Region: Landkreis Aschaffenburg

In Aschaffenburg arbeitet man gerade an einem regionalen Onlinemarkt für die heimischen Unternehmen.

Das wird bestimmt auch in anderen Städten und Regionen gerade angedacht, geplant oder schon praktisch ausprobiert … 😉

 

7. Onlinecity Wuppertal

Region: Wuppertal

In Wuppertal wird der Kauf im Laden mit Online-Shopping verknüpft.

Wer keinen eigenen Laden hat, kann seine Produkte im Stadtladen ausstellen.

Außerdem wird bei Onlinecity Wuppertal sehr auf die Lieferzeiten nach Online-Bestellung geachtet.

 

8. Mönchengladbach bei ebay

Region: Mönchengladbach und Rheydt

Ok, ebay ist zwar kein Onlinemarkt, der den Fokus auf die Kaufkrafterhaltung einzelner Regionen hat.

Dennoch aber ist diese Entwicklung in Mönchengladbach ein interessantes Fundstück.

Auch, weil ebay mit Hilfe des Handelsverbands Deutschland weitere Städte zum Nachahmen bewegen will.

 

Nachwort zum Handelsverband Deutschland

Was hat der Handelsverband Deutschland vor der Forderung nach längeren Ladenöffungszeiten geraucht?

 

Gut, die Forderung steht nicht das erste Mal im Raum.

Und grundsätzlich bin ich auch ein Freund der Freiheit und der Selbstbestimmung.

 

Aber die Forderung nach längeren Ladenöffnungszeiten verfehlt letztlich das Kernproblem des Einzelhandels.

 

Denn, wenn ein besetztes Ruderboot voll Wasser läuft, dann kann ich doch nicht vom Ufer aus um Hilfe für den Ruderer schreien, indem ich von den Spaziergängern größere Eimer zum Hinausschippen des Wassers fordere.

Kopfkino: Ich stelle mir gerade vor, wie die Feuerwehr anrückt und den Ruderer gegen seinen Willen aus dem Boot „rettet“, während sich der Schreihals vor diversen Fernsehkameras als Held des Tages feiern läßt.

 

Welche Rolle spielt der Handelsverband Deutschland?

Ist er tatsächlich auf der Seite des Einzelhandels oder spielt er eher die politische Rolle eines Rattenfängers?

 

Da lohnt es sich doch mal einen Blick auf eine aktuelle und heiß diskutierte Frage zu werfen:

Die Bargeldabschaffung!

 

Nun hat sich der Handelsverband hier zwar einerseits gegen eine Bargeldobergrenze ausgesprochen, es gleichzeitig aber auch offengehalten das Bargeld dennoch zu ersetzen, wenn zuvor die Bargeld-Alternativen auf den Weg gebracht wurden.

 

Mit anderen Worten:

Falls sich einige Einzelhändler gegen die kommende Bargeldabschaffung wehren, werden sie vom Handelsverband Deutschland keine Rückendeckung erwarten können.

 

Hätte der Handelsverband Deutschland eine klarere Position zur Bargeldabschaffung, dann würde er in die Gegenoffensive gehen und die Kompetenz von Merkel und Schäuble als auch die Wahrhaftigkeit von Kanzlerin und Finanzminister in Frage stellen.

 

Denn wenn ein Herr Schäuble – als der „Terrorismusbekämpfer“ schlechthin – vergißt, daß er von einem Waffenhändler(!) einst 100.000 DM erhalten hatte und eine Frau Merkel gegenüber einem holländischen Journalisten ihm als Finanzminister dennoch in einer Bundespressekonferenz das Vertrauen ausspricht, dann…

 

Ja, dann sollte doch irgendwie die öffentliche Argumentation bzgl. Kriminalitäts- und Terrorismusbekämpfung in Frage gestellt werden – selbst vom Handelsverband Deutschland.

 

Aber vielleicht ist das Rätsel um die 100.000 DM von einem Waffenhändler in Bezug auf die Bargeldabschaffung auch eher eine junge und naive Frage für Tilo Jung?! 😀

 

Spannende Abschlußfrage

Regionale Onlinemärkte als Gegenantwort zu amazon und ebay.

Stadtgeld & Co als logische Konsequenz zum Kaufkraftabfluß und Hoffnungsschimmer für Bargeldbefürworter.

 

Wer reagiert zu erst?

Die Städte und Gemeinden, die um ihr eigenes Geld einen Onlinemarkt bauen

oder

die regionalen Onlinemärkte, die regionale Zahlungsmittel bei sich mit aufnehmen

oder

vielleicht sogar jemand, den ich „nicht auf dem Zettel“ habe?

 

Was glaubst Du?

 

Gesamt

Martin Matzat

Ich zeige über verschiedenste Geldaspekte die Mißstände in unserer Außenwelt auf, um im Anschluß den Irrtum an und in uns selbst sichtbarer zu machen.

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