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Wenn Du über die Wechselbeziehungen zwischen Geld und Gesellschaft mehr erfahren möchtest, dann bist Du hier genau richtig.

Der Unterschied zwischen Umlaufgebühr und Negativzins

 

Das Vorwort.

Und noch nicht einmal ganz.

 

Ich habe Die natürliche Wirtschaftsordnung von Silvio Gesell nicht gelesen.

Sondern lediglich 3 Seiten aus dem Vorwort.

 

Nenne mich faul, wenn Du magst.

Aber ich behaupte, daß ich die Gedanken hinter der Umlaufgebühr trotzdem verstanden habe.

Und ich empfinde sie sogar als äußerst inspirierend.

 

Ok, gut.

Gesell-Anhänger werden nun vielleicht noch die Bodenreform mit ins Spiel bringen, die die Freigeldthorie erst zu dem macht, was sie ist bzw. sein soll.

 

Für mich aber kalter Kaffee, weil ich für eine strukturgebende (Staats-)Gewalt, die Recht und Gesetze durchsetzt, keine Zukunft sehe.

 

Nichts desto trotz empfinde ich aber auch Bewunderung für die Gesell-Anhänger, wenn sie versuchen den Charme einer Umlaufgebühr an den Laien zu verkaufen.

(Was ich auch gemacht habe, siehe u.a. Wie nicht nur Dir umlaufgesichertes Geld dabei hilft raus aus der Komfortzone zu kommen)

 

Wenn dann jedoch ein solcher Laie, den Sinn der Umlaufgebühr verstanden hat und sagt

 

„Also sowas wie Negativzins…!“

 

dann gerät so manches Gesellgemüt doch so manches Mal arg ins Wanken.

 

Denn schließlich wurde zuvor über die EZB und Banken hergezogen und wo bleibt da jetzt noch das Differenzierungsmerkmal…?!?

 

Die entstehenden Dysbalancen durch Zinsen

Geldsystemkritiker sehen neben der Geldschöpfung die Vermögensumverteilung über Zinsen als das Kernproblem von Euro, US-Dollar & Co.

 

In Ausbildung und Studium wurde versucht mir beizubringen, daß zu einer gesunden Finanzierung eines Unternehmens auch immer eine Fremdkapitalfinanzierung dazugehört.

Damit ließe sich dann im Optimalfall ein super Leverage-Effekt und eine super Eigenkapitalrendite erzielen.

 

Wenn ein Unternehmer nun jedoch einen Kredit aufnimmt, muß er derzeit neben der üblichen Tilgung auch (noch) Zinszahlungen an seine Bank abführen.

Der Unternehmer, der natürlich alle Kosten, die in seinem Tagesgeschäft anfallen, mit in die Preise einkalkuliert, darf dann die Kosten für die von der Bank bereitgestellte Liquidität nicht vernachlässigen.

Das heißt:

 

Die zu leistenden Zinszahlungen werden in die Preise mit eingerechnet und erhöhen somit auch den Preis.

 

Ob kleine, ob mittlere oder auch große Produkte.

An jedem hergestellten Produkt sind auf Grund teilweise komplexer Wertschöpfungsketten daher oft mehrere Unternehmen beteiligt, die sich alle diesem Geheimtipp der herkömmlichen Wirtschaftslehre verschrieben haben.

 

Sie sind also alle in irgendeiner Form über Fremdkapital finanziert und reichen somit die zu leistenden Zinszahlungen an ihre Kunden weiter.

 

Das hat zur Folge, daß sich die Zinszahlungen an die Bankenbranche bis zum Endprodukt auf ein nettes Sümmchen akkumulieren.

 

Und so gehen Geldsystemkritiker bezugnehmend auf die Recherchen von Helmut Creutz davon aus, daß auf den Preis eines ziemlich jeden Endprodukts eine Zinslast von 30 bis 50% liegt.

Und je kapitalintensiver die Herstellung eines Produkts, desto höher auch die versteckte Zinslast.

(Bei Immobilien beträgt die Zinslast daher ohne weiteres auch mehr als 70%! Hier ein Erklärvideo.)

 

Im übertragenen Sinn heißt das:

 

Nicht der Unternehmer zahlt der Bank die Zinsen, sondern das letzte Glied in der Wertschöpfungskette – der Endkunde.

 

Somit bezahlt also jeder von uns indirekt Zinsen an die Banken – auch wenn uns das auf dem ersten Blick nicht ganz klar ist.

 

Ich werde Millionär und lebe von den Zinsen!

 

Dieser Spruch, den Du bestimmt schon einmal gehört hast oder gar darüber nachgedacht hast dieser so lapidar formulierten Vision nachzugehen, zeigt, daß es allerdings in unserer Gesellschaft nicht nur „Netto-Zinszahler“ gibt.

 

Es gibt auch Menschen, bei denen die Zinseinnahmen indirekten Zinszahlungen bei weitem übertreffen.

 

Und dieser Überschuss, der nur bei den reichsten 10% der Gesellschaft erzielt wird, wird von den ärmeren 80% der Gesellschaft über die in die Preise einkalkulierten Zinsen bezahlt.

(Beim zweitreichsten Zehntel gleichen sich Zinslast und Zinsertrag mehr oder minder aus.)

 

Vom einen ins andere Dogma

Viele Geldsystemkritiker und Geldreformer orientieren sich daher an der Lehre von Silvio Gesell und den Beispielen des Wunder von Wörgls oder jenem der Brakteaten aus der Zeit des Mittelalters.

 

Sie operieren in ihren Regionalgeld-Initiativen daher oft mit einer Umlaufgebühr, die gerne auch Negativzins genannt wird.

(Durch den Negativzins der EZB haben die Regionalgeld-Initiativen allerdings ein kleines Argumentationsproblem, siehe: 7 Gründe warum Regionalgeld-Initiativen scheitern)

 

Die Umlaufgebühr funktioniert dabei so ähnlich wie ein Parkgebühr:

 

Ein Parkplatz kann für eine bestimmte Zeit kostenfrei genutzt werden um schnelle Geschäfte in der Stadt zu erledigen.

Wer den Parkplatz zu lange besetzt hält und somit verhindert, daß andere Menschen in der Stadt ihre Erledigungen tätigen können, zahlt eine Parkgebühr.

 

Wegen der fehlenden Neigung das Geld vermehrt auszugeben oder es gar zu verschenken entspricht dies der Vorstellung, daß die reichen Menschen deshalb eher darauf aus sind das Geld auf Grund der Zinserträge ebenso zu besetzen bzw. zu horten.

Dieses Geld steht – wegen fehlender Umsätze durch Kunden des reichsten Zehntels unserer Gesellschaft – somit den ärmeren Menschen zur eigenen Bedarfserfüllung nicht zur Verfügung.

 

Deshalb die Theorie der Umlaufgebühr, die das Horten von Geld verhindern soll und die Menschen dazu animieren möchte das Geld wieder in der Gesellschaft zu verteilen.

 

Ist die Umlaufgebühr ein Euphemismus des Negativzinses?

Euphemismus ist die Kunst negative Dinge schön zu umschreiben.

 

Der Begriff Eurorettungsschirm fällt mir dabei ganz spontan ein.

 

Daß sich solcherlei Euphemismen jedoch auch mal selbst enttarnen, steht auf einem anderen Blatt:

Wovor schützt ein Regenschirm? – Vor dem Regen!

Wovor schützt ein Fallschirm? – Vor dem Fall!

Wovor schützt dann ein Rettungsschirm? – …!?!

 

Negativzins ist so ein Begriff, der sich genauso unschön wie alterndes Geld oder Schwundgeld anhört.

 

Von daher müssen auch die Geldreformer bei den Begrifflichkeiten Marketing betreiben.

 

Und so führen sie einen unermüdlichen Kampf gegen die Angst vor der Umlaufgebühr, wenn man diese mit dem Negativzins vergleicht.

 

Denn schließlich hat kaum ein Mensch wirklich Lust Argumente an sich heranzulassen, die ihm erzählen, daß sein Sparwille bestraft wird und daß das sogar gut sein soll.

 

Die Intervalle von Umlaufgebühr und Negativzins

Vergleichen wir die Regionalgeld-Initiativen miteinander zeigt sich, daß die Abrechnungszeitpunkte der Umlaufgebühr variieren.

 

Das heißt in der einen Intitiative wird die Umlaufgebühr nach einem Monat, bei der nächsten nach einem Jahr bei der übernächsten wiederum quartalsweise fällig.

 

Hast Du also vor dem Monatswechsel all Dein Geld ausgegeben, betrifft Dich die Umlaufgebühr nicht.

 

Kommen wir zum Negativzins.

In der Regel berechnen die Banken die Zinsen auf Tagesbasis.

Bei negativen Zinsen wäre daher ein ähnliches Vorgehen anzunehmen.

 

Das heißt für Dich, daß es keinen Unterschied macht, ob Du Deine Million, die Du am 1. Juli 2016 bei Deiner Bank abgegeben hast, schon gleich am 4. am 16., am 27. Juli oder auch erst am 7. August wieder abholst:

 

Du hast den Negativzins bedienen müssen, weil Du Dein Vermögen dort länger als einen Tag hast liegen lassen.

Gut, der aus dem Negativzins resultierende zu zahlende Betrag ist wegen der unterschiedlichen „Geldparkdauer“ unterschiedlich hoch.

Doch Dein Geld lag länger auf der Bank als das Intervall, nach welchem der Negativzins fällig wird.

 

Wo ist der Unterschied zwischen Umlaufgebühr und Negativzins?

Eine Umlaufgebühr wird nach einem Monat erhoben.

Der Negativzins nach einem Tag.

 

Was ist, wenn eine Regionalgeld-Initiative auf die Idee kommt eine Umlaufgebühr stets nach 2 Wochen zu erheben?

Heißt es dann immer noch Umlaufgebühr?

 

Was ist, wenn das Intervall der Umlaufgebühr auf 1 Woche verkürzt wird?

Auf 3 Tage?

Auf einen einzigen Tag?!?

 

Ab wann heißt die Umlaufgebühr nicht mehr Umlaufgebühr sondern Negativzins?

 

Fazit:

Der Unterschied zwischen einer Umlaufgebühr und dem Negativzins beträgt exakt 29 Tage!

 


 

Einst auf die Verwerfungen unserer Gesellschaft aufmerksam gemacht,

entstand das Ziel unser aller Welt doch endlich besser zu gestalten.

Keine Ruh fortan empfindend und mit dem Gesell’schen Buch morgens aufgewacht,

weil schließlich braucht es Disziplin um nicht zu scheitern sondern durchzuhalten.

 

Denn „das System“ läßt nicht locker und ist nicht von gestern.

Es sich zeigt, wie die EZB dem Geldreformer nun die Argumente nimmt, ihn beraubt.

Doch die Gebühr daher hochzuleben und über den Zins zu lästern,

macht irrtumsblind, weil es festzuhalten gilt am Dogma, an welchem noch zuvor geglaubt.

 

7 Gründe, warum Regionalgeld-Initiativen scheitern

 

Irgendwie paradox.

 

Aber ich habe so einige Leser schon enttäuscht.

 

Ich habe so einige Leser deshalb enttäuscht, weil ich vor einiger Zeit eine Artikelserie über Regionalgeld geschrieben hatte.

Eine Artikelserie, die ich aus viel Idealismus geschrieben hatte.

 

Doch ich wußte schon damals, daß Regionalgelder den Menschen (noch) nicht wirklich weiterhelfen.

Denn der Trend der sterbenden Regionalgeld-Initiativen spricht schon eine ganze Weile eine deutliche Sprache.

 

Und ich habe trotzdem so geschrieben als wäre es die Alternative zum Euro schlechthin…

 

Wenn ein ehrlicher Mensch erkennt, daß er irrt, dann wird er sich entweder seines Irrtums oder seiner Ehrlichkeit entledigen!Unbekannt

 

Ich habe also Leser verloren, weil ich an meinem Idealismus unbedingt festhalten wollte.

 

Wie also hätte mein Idealismus die Welt befruchten können, wenn ich mir die Leser vergrätze?

*Am-Kopf-kratz*

 

Was liegt da also näher als mal einen Artikel über Gründe zu schreiben, mit welchen sich Regionalgeld-Initiativen wie ich um ihre eigenen Früchte bringen?!

 

Schon seit einiger Zeit gehe ich deshalb schwanger mit diesem Artikel.

Doch vor einigen Tagen bekam ich vom Leben durch die Studie von Sebastian Leinert den berühmten Wink mit dem Zaunpfahl…

 

1. Das negativ besetzte Verständnis für eine Umlaufgebühr

Die Umlaufgebühr ist das, was der Laie gerne auch mal Negativzins nennt.

 

Und wie Du sicher schon bemerkt hast, bewegt sich auch die EZB schon seit einer Weile in diese Richtung.

Sie versucht über den Zins die Wirtschaft und den Konsum zu steuern.

 

Ohne jetzt zu sehr ins Detail zu gehen, erfährt dieser Negativzins allerdings gerade bei der hochkochenden Diskussion um die Bargeldabschaffung eine massive Ablehnung.

 

Nun mag die Umlaufgebühr für ein größeres Miteinander unter den Menschen sorgen und auch dazu beitragen, daß das Geld in Fluss bleibt anstatt an einer bestimmten Stelle zu verklumpen, was konsequenterweise zu einem gesellschaftlichen Infarkt führen würde.

 

Wenn unser kollektives Bewußtsein allerdings noch auf „Geld anlegen“ und nicht auf „Geld geben“ programmiert ist, dann wird sich jedes Regionalgeld an der Diskussion um die Umlaufgebühr bei potentiell Interessierten immer wieder die Zähne ausbeißen.

 

Denn im Kollektiv wird die Umlaufgebühr bzw. der Negativzins abgelehnt.

 

Und auch intern könnte die Umlaufgebühr zu viele Ressourcen verbrauchen.

Denn gerade bei einem Bargeld mit Umlaufgebühr könnte der zusätzliche Verwaltungsaufwand doch sehr viele Kräfte binden, die anderweitig effektiver eingesetzt werden könnten.

 

2. Es existiert kein direkter Kundennutzen

So mancher idealistische Konsument findet die Idee von Regionalgeld echt klasse.

Und von einem ersten Enthusiasmus getrieben, nimmt er auch immer wieder die Mühe auf sich die nächste Umtauschstelle aufzusuchen.

 

Doch diese anfängliche Motivation ebbt schon bald ab.

 

Das liegt sehr oft daran, daß starr an dem Wechselkurs von 1:1 festgehalten wird.

Denn dieser Wechselkurs zieht sich von der Umtauschstelle bis zum Einzelhändler wie ein roter Faden durch.

 

Mal ehrlich:

Wenn Du Zeit, Kraft und Geld aufwenden mußt, um 10 Euro in 10 Regionalgeldtaler einzutauschen und es dann für Dich als Konsument keinen Unterschied macht, ob Du für das Produkt XY 10 Euro oder 10 Regionalgeldtaler bezahlst…

Warum dann überhaupt die Mühe machen und Euro umtauschen?

 

Du merkst vielleicht auch, daß das Geld bei Dir persönlich gerade rarer wird.

Und spätestens dann fragst Du Dich nämlich, warum Du für Deinen Idealismus in Form von Zeit, Kraft und Geld noch draufzahlst.

 

Die Lösung:

Selbst der idealistischste Kunde braucht einen sofortigen(!) Mehrwert, wenn er mit Regionalgeld anstatt mit Euro einkauft.

 

Und dieser Mehrwert kann u.a. durch Preisvorteile beim Einzelhändler so gut kommuniziert werden, daß auch andere Menschen auf der Suche nach Mehrwerten beginnen zu fragen:

 

Regionalgeld?

Watt’n datt’n?

 

3. Das Verhalten der Konsumenten wird ignoriert

Bargeld ist Freiheit.

Na klar.

 

Aber Du bist doch genauso wie ich jemand, der sich gerne im Internet informiert.

 

Und wenn Du schon vor diesem Kunststoff-Apparat sitzt, dann könnte über diesen Weg doch auch die eine oder andere Bestellung oder gar Bezahlung abgewickelt werden.

 

Es hat etwas unpersönlicheres als eine Bargeldzahlung, ja.

 

Aber steht einer Regionalgeld-Initiative an dieser Stelle der eigene Idealismus nicht irgendwie im Wege, wenn dem Konsumenten der Onlinezugang nicht ermöglicht wird?

Denn wenn der Konsument in seiner Bequemlichkeit keine Anreize findet Regionalgeld zu nutzen, wie soll dann ein Regionalgeld in dieser technischen Welt Dynamiken entwickeln, die sich neben dem Euro wirklich sehen lassen können?

 

Online-Bezahlung sowie ein Online-Schaufenster über einzelne Produkte der jeweiligen Anbieter, sind Elemente des heutigen Konsums.

 

Und wenn wir Menschen für unsere Vorhaben gewinnen wollen, dann dürfen wir halt lernen sie dort abzuholen, wo sie sich (größtenteils) auch aufhalten:

 

Im Internet.

 

4. Viele Regionalgeld-Initiativen wählen keine klare Ansprache

Bei meinen Recherchen zu den verschiedenen Regionalgeldern, Tauschringen und Stadtgeldern im deutschsprachigen Raum hatte ich so manches Mal die Zahlungsalternative schon nach ein paar Sekunden innerlich abgeheftet.

 

Warum?

 

Weil ich einerseits bei bestem Willen nicht erkennen konnte welche Zielgruppe auf der Webseite angesprochen werden soll:

Sind es die Konsumenten oder die Akzeptanzstellen?

 

Und zum anderen – und das mag mit dem fehlenden kommunikativen Fokus auf die Zielgruppe zusammenhängen – war die Internetseite manchmal wie Kraut und Rüben aufgebaut, so daß ich nicht wußte, wo ich mich auf der Onlinepräsenz gerade befinde.

 

Wenn auch mit noch viel Potential nach oben haben die Stadtgelder von allen Dreien diese Kommunikationsfrage insgesamt am besten gelöst.

 

Sehr oft wurde dort die Kommunikation auf den Konsumenten abgestimmt.

(z.B. „Wenn Du nicht weißt, was Du zu Weihnachten verschenken sollst, dann verschenke unseren Einkaufsgutschein!“)

 

Und der Konsument bekommt dann nach Möglichkeit alle Informationen, die er für seinen Einkauf mit seinem Einkaufsgutschein sich nur wünschen kann:

Welche Akzeptanzstellen gibt es?

Wo gibt es diese Akzeptanzstellen?

Gibt es neue Akzeptanzstellen?

Wie kann ich einen Einkaufsgutschein erwerben?

Wie verwende ich den Gutschein und was muß ich beachten?

usw.

 

Also kein Satz davon warum jemand Akzeptanzstelle werden sollte.

 

Deshalb dürfen Regionalgeld-Initiativen dem Einzelhändeler oder dem Bio-Bauern auch gerne ein wenig mehr zutrauen.

 

Denn interessierte Unternehmer werden die Initiative aufsuchen, die für die anderen Akzeptanzstellen erfolgreich Werbung macht.

Und sie werden von ganz alleine fragen, wie sie dabei sein können.

 

Da reicht dann auf der Webseite an geeigneter Stelle eine einfache Frage mit einer klaren darauf folgenden Handlungsaufforderung:

Sie möchten auch Regionalgeldtaler akzeptieren?

Dann rufen Sie uns an!

 

Der Rest kann für eine neue Akzeptanzstelle also abseits der Webseite erklärt und besprochen werden.

 

5. Der chronische Geldmangel einer Regionalgeld-Initiative

Nun leben wir in Zeiten, wo das Geld knapper wird.

 

Und meistens sind jene Menschen, bei welchen das Geld knapper wird auch jene, die sich über Alternativen zum Euro Gedanken machen (müssen).

 

Gerade privat gegründete Regionalgeld-Initiativen leiden in der Kenntnis um die Geldknappheit oft daran, daß sie sich ausschließlich auf das Geben konzentrieren.

Also, daß das Nehmen – z.B. in Form eines angemessenen monatlichen Geld-Betrags von den Akzeptanzstellen – vergessen oder gar ausgeschlossen wird.

 

Das ist so, als würdest Du nur ausatmen!

 

Mach mal den Test:

Wie lang kannst Du diese Atemtechnik durchhalten?

 

Fakt ist jedenfalls, daß die Akzeptanzstellen nur dann wirklich von einer Regionalgeld-Initiative profitieren, wenn sie sich auch um das Wohl der Akzeptanzstellen kümmert.

 

Sei es in Form von regelmäßiger Nachfrage nach Bedürfnissen bei den bestehenden Akzeptanzstellen.

Sei es in Form von Einbindung weiterer Akzeptanzstellen, damit das Netzwerk noch dichter wird.

Sei es in Form von PR-Artikeln in Zeitungen.

Sei es in Form von Online- sowie Social-Media-Marketing.

 

Die Krux ist allerdings, daß die Pflege für das Erblühen eines solchen Netzwerks Zeit (und manchmal auch Geld) kostet.

 

Diese Zeit kann sich eine Regionalgeld-Initiative allerdings nur dann nehmen, wenn sie finanziell den Rücken frei hat.

 

Denn wenn die Initiatoren in der Woche nicht 40 Stunden für die Akzeptanzstellen da sein können, sondern währenddessen ihrem Angestelltenjob nachgehen müssen, dann leidet die Qualität.

 

Ganz einfach.

 

6. Dem Regionalgeld fehlen Knappheitselemente

Ich muß zugeben, daß ich den Gedanken des Grundeinkommens schon irgendwie klasse finde.

 

Aber ich bin immer mehr davon überzeugt, daß dieser Gedanke für Regionalgelder Gift ist – gerade zu Beginn.

 

Warum?

 

Das Regionalgeld soll attraktiv sein, also ein wirklich begehrenswertes Gut.

 

Ist etwas – rein subjektiv und bedürfnisorientiert betrachtet – begehrenswert, wenn es in Hülle und Fülle vorhanden ist?

 

Warum werden Gold oder Diamanten in unserer Gesellschaft als so wertvoll betrachtet?

 

Du verschenkst 1.000 Euro.

Wer freut sich mehr über Dein Geschenk?

Der Bettler oder der Multi-Millionär?

 

[bctt tweet=“Wahre Wertschätzung leben wir erst dann, wenn wir zuvor einen Mangel erfahren haben! “ username=“GeldmarketingMM“]

Und das gilt im Übrigen auch für Dich und mich als vermeintlich „Aufgewachte“. 😉

 

An dieser Stelle muß ich zugeben, daß mir bei sämtlichen Tauschringen, Regional- und Stadtgeldern Knappheitselemente fehlen.

 

Vielleicht wird dieser Gedanke auch konsequent ausgeblendet, weil wir diese Knappheit beim Euro gerade erfahren und der Euro nunmal prinzipiell böse ist…

 

Aber die Menschen „brauchen“ nun mal Euro, um weiterhin Essen, Miete, Steuern usw. bezahlen zu können.

Wegen diesen permanenten Nötigungen – also mehreren Knappheitselementen – ist der Euro trotz aller Widrigkeiten begehrenswert.

 

Wenn die Regionalgeld-Initiative mit einem Grundeinkommen in ihrer Zahlungsalternative wirbt, dann gibt es für die Teilnehmer keine ernsthaften Anreize regelmäßig und konsequent Regionalgeldtaler über Produktverkäufe oder Dienstleistungen zu erwerben.

 

Mag ja sein, daß Du nun dagegenhalten möchtest.

 

Aber dann mach doch mal folgenden Test:

Frag Deine Gemeinschaft doch mal wie viele Euro jemand für Deine 100 Regionalgeldtaler anbietet.

 

Wenn dann niemand antwortet bzw. jemand, der weniger als 100 Euro anbietet, spätestens dann sollte der Groschen fallen, daß der Euro begehrenswerter ist als der Regionalgeldtaler.

 

Und dann wird es für Deine Regionalgeld-Initiative schwer das Netzwerk dauerhaft am Leben zu halten.

 

Falls Du den siebten Grund gerade vermißt…

führe Dir vor Augen, daß Menschen oftmals deshalb scheitern, weil sie ihrer Umwelt zuvor vollmundig zu viel versprochen haben. 😉

 

Warum regionale Onlinemärkte mit Regionalgeld der nächste Entwicklungsschritt sind

 

„Längere Ladenöffnungszeiten!“

50.000 Läden könnten auf Grund des Online-Handels bis 2020 ihre Existenz verlieren.

Und längere Ladenöffnungszeiten ist die Lösung des Handelsverbands Deutschland…?!

 

Mal wieder.

 

Hört sich irgendwie so an als wüßte ein Vertreter nicht um die Probleme jener, die er vertritt.

Ein Staubsaugervertreter verkauft Staubsauger, ein Versicherungsvertreter verkauft Versicherungen. Was macht dann ein Volksvertreter?

 

Da fließt Kaufkraft ab!

Und es stellt sich daher auch eher die Frage, wie die Kaufkraft in der Stadt oder in der Region gehalten werden kann.

 

So einige Regionalgelder, Stadtgelder und Tauschringe hatte ich ja schon vorgestellt, die einen ersten Ansatz zur Eindämmung des Kaufkraftabflusses zu leisten versuchen.

Allerdings sollte dabei auch bedacht werden, daß Menschen wie Du und ich sich gerne im Internet informieren.

Denn ansonsten würdest Du diesen Blogartikel vermutlich nicht lesen… 😉

 

Wenn Städte und Regionen also die Zeitqualität für den Erhalt oder gar Aufbau einer in sich stabilen Region nutzen wollen, dann kommen sie um diese technischen Möglichkeiten und Entwicklungen des Internets (noch) nicht drumrum.

(Das Für und Wider unserer mehr technisch funktionierenden als menschlichen Gesellschaft ist ein anderes Thema.)

 

Der Regionalgeld-Idealismus allein reicht nicht, um den Konsumenten von heute für neue Zahlungsmittel zu begeistern.

 

Das heißt also, daß es eine Art Onlineschaufenster für die regionalen Erzeugnisse geben sollte.

Und diese Ansätze sind da.

 

Ein regionaler Onlinemarkt auf Euro-Basis ist ein Anfang, aber…

Zugegeben.

Ein regionaler Onlinemarkt allein reicht nicht aus, um die Kaufkraft in der Region zu halten.

 

Denn wenn das Geschäft, in welchem mit Euro eingekauft wird, seine Waren außerhalb der Region einkauft, dann ist die Kaufkraft trotzdem weg.

Klingt vielleicht sch%!& – ist aber so!

 

(Norbert Rost erklärt den Kaufkraft- und Fachkräfteabfluß in seinem Video über Regionalgeld sehr schön.)

 

Um die Kaufkraft wirklich in der Region zu halten und um für die heimischen Betriebe zu werben, macht es Sinn den regionalen Onlinemarkt-Gedanken als regionales Schaufenster mit dem des Regionalgeld-Gedankens zu verknüpfen.

 

Beide Elemente allein sind eher Spielkram – zusammen aber eine echte Hausnummer!

 

Und es stimmt echt optimistisch, daß es zu jedem Trend auch einen darauf reagierenden Trend gibt:

 

Denn auch wenn amazon dem stationären Handel das Leben schwer macht (vgl. Bericht vom ARD-Magazin plusminus), so machen sich immer mehr Menschen darüber Gedanken, wie sie gegen diese Entwicklungen gegensteuern und sie gleichzeitig für sich nutzen können.

 

Die nachfolgenden Onlinemärkte sind eine solche Entwicklung – genauso wie der Trend der Stadtgelder.

 

Und nun stell Dir bei diesen Entwicklungen deshalb mal folgendes Szenario vor:

 

Ein hochfrequentierter Onlinemarkt mit anderem Geld als Euro!

 

Wäre das nicht der Hammer? 🙂

 

Nicht nur der Einzelhändler darf sich mit der Onlinevermarktung näher auseinandersetzen

 

Das heißt aber auch, daß der stationäre Einzelhändler seine physische Unbeweglichkeit nicht auf sein Verhalten übertragen sollte.

Bleibt sein Verhalten statisch, gehört er zu den geschätzten 50.000 Einzelhändlern, die ins Gras beißen werden – mal abgesehen von den wirtschaftlichen Turbulenzen wegen Euro & Co, die eh noch auf uns alle zukommen werden.

 

Sich mit der Onlinevermarktung auseinanderzusetzen, das sollte auf jeder To-Do-Liste eines jeden Einzelhändlers ganz weit oben stehen.

 

Denn falls der Einzelhändler einen Laden in einer Stadt besitzt bzw. eröffnet und sich denkt: „So, hier bin ich und nun kauft mal liebe Leute!“ dann wird er scheitern.

Wenn er wie der Handelsverband Deutschland glaubt, daß längere Ladenöffnungszeiten das Symptom des Kaufkraftabflusses an der richtigen Stelle behandeln, dann wird er scheitern.

 

Und auch wenn er diese bequemliche Haltung mit ein paar Anzeigen in Tages- und Wochenzeitungen zu kaschieren versucht, so wird er ebenfalls scheitern.

Denn die Menschen wachen auf und lesen immer weniger aus der Systempresse, die ihre Artikel größtenteils noch von der dpa bezieht.

 

8 regionale Onlinemärkte als inspirierende Beispiele

Gibt es in einer Branche viel Geld zu verdienen, stehen neue Wettbewerber Schlange.

Wird ein Unternehmen in einer bestimmten Branche für den Idealisten zu dominant, wird der Idealist ebenfalls zum Wettbewerber.

 

Fakt ist also, daß sich in Sachen Onlinemärkten gerade etwas bewegt. 😉

 

1. The Food Assembly

Region: West-Europa

Food Assembly ist ein Portal für Lebensmittel, welches online die Warenbestellungen bei den einzelnen Landwirten sammelt, um im Anschluß einen lokal-physischen Markt zu organisieren.

Die Idee der Food Assembly ist eine sehr schöne Initiative, die außerdem einen Gegenimpuls zu unserer Wegwerfgesellschaft bietet.

Denn so kann nicht verkauftes Gemüse noch auf den Äckern bleiben anstatt nach und nach an Lebensenergie zu verlieren…

Außerdem erwähnenswert: Jeder kann Organisator einer solchen Assembly sein und sich ein paar Euronen dazuverdienen.

 

2. Locafox

Region: Deutschland

Bei Locafox kannst Du eine deutsche Stadt oder Region wählen, aus welcher Du kommst.

Dann werden die Unternehmen gelistet oder geografisch aufgeführt und bei einem Klick auf das Unternehmen siehst Du die verschiedenen Produkte, die dieses Unternehmen anbietet.

 

3. SIMPLY LOCAL

Region: Deutschland

Bei SIMPLY LOCAL wählst Du eine deutsche Stadt, aus der Du kommst und es werden alle umliegenden Unternehmen aufgelistet, die ihre Produkte über diesen Onlinemarkt anbieten.

 

4. Findeling

Region: Hamburg

Bei Findeling kommen nur Läden auf den Online-Marktplatz, die etwas Nachhaltiges oder auch Besonderes anzubieten haben.

Und außerdem wird über einen Blog auch immer mal wieder über die nettesten Läden der Hansestadt informiert.

 

5. Bauerntüte

Region: Köln und Umgebung

Die Bauerntüte ist ein Onlineshop der in Gemüsekisten Produkte direkt vom Bauern in die Städte rund um Köln liefert.

 

6. Rio Aschaffenburg

Region: Landkreis Aschaffenburg

In Aschaffenburg arbeitet man gerade an einem regionalen Onlinemarkt für die heimischen Unternehmen.

Das wird bestimmt auch in anderen Städten und Regionen gerade angedacht, geplant oder schon praktisch ausprobiert … 😉

 

7. Onlinecity Wuppertal

Region: Wuppertal

In Wuppertal wird der Kauf im Laden mit Online-Shopping verknüpft.

Wer keinen eigenen Laden hat, kann seine Produkte im Stadtladen ausstellen.

Außerdem wird bei Onlinecity Wuppertal sehr auf die Lieferzeiten nach Online-Bestellung geachtet.

 

8. Mönchengladbach bei ebay

Region: Mönchengladbach und Rheydt

Ok, ebay ist zwar kein Onlinemarkt, der den Fokus auf die Kaufkrafterhaltung einzelner Regionen hat.

Dennoch aber ist diese Entwicklung in Mönchengladbach ein interessantes Fundstück.

Auch, weil ebay mit Hilfe des Handelsverbands Deutschland weitere Städte zum Nachahmen bewegen will.

 

Nachwort zum Handelsverband Deutschland

Was hat der Handelsverband Deutschland vor der Forderung nach längeren Ladenöffungszeiten geraucht?

 

Gut, die Forderung steht nicht das erste Mal im Raum.

Und grundsätzlich bin ich auch ein Freund der Freiheit und der Selbstbestimmung.

 

Aber die Forderung nach längeren Ladenöffnungszeiten verfehlt letztlich das Kernproblem des Einzelhandels.

 

Denn, wenn ein besetztes Ruderboot voll Wasser läuft, dann kann ich doch nicht vom Ufer aus um Hilfe für den Ruderer schreien, indem ich von den Spaziergängern größere Eimer zum Hinausschippen des Wassers fordere.

Kopfkino: Ich stelle mir gerade vor, wie die Feuerwehr anrückt und den Ruderer gegen seinen Willen aus dem Boot „rettet“, während sich der Schreihals vor diversen Fernsehkameras als Held des Tages feiern läßt.

 

Welche Rolle spielt der Handelsverband Deutschland?

Ist er tatsächlich auf der Seite des Einzelhandels oder spielt er eher die politische Rolle eines Rattenfängers?

 

Da lohnt es sich doch mal einen Blick auf eine aktuelle und heiß diskutierte Frage zu werfen:

Die Bargeldabschaffung!

 

Nun hat sich der Handelsverband hier zwar einerseits gegen eine Bargeldobergrenze ausgesprochen, es gleichzeitig aber auch offengehalten das Bargeld dennoch zu ersetzen, wenn zuvor die Bargeld-Alternativen auf den Weg gebracht wurden.

 

Mit anderen Worten:

Falls sich einige Einzelhändler gegen die kommende Bargeldabschaffung wehren, werden sie vom Handelsverband Deutschland keine Rückendeckung erwarten können.

 

Hätte der Handelsverband Deutschland eine klarere Position zur Bargeldabschaffung, dann würde er in die Gegenoffensive gehen und die Kompetenz von Merkel und Schäuble als auch die Wahrhaftigkeit von Kanzlerin und Finanzminister in Frage stellen.

 

Denn wenn ein Herr Schäuble – als der „Terrorismusbekämpfer“ schlechthin – vergißt, daß er von einem Waffenhändler(!) einst 100.000 DM erhalten hatte und eine Frau Merkel gegenüber einem holländischen Journalisten ihm als Finanzminister dennoch in einer Bundespressekonferenz das Vertrauen ausspricht, dann…

 

Ja, dann sollte doch irgendwie die öffentliche Argumentation bzgl. Kriminalitäts- und Terrorismusbekämpfung in Frage gestellt werden – selbst vom Handelsverband Deutschland.

 

Aber vielleicht ist das Rätsel um die 100.000 DM von einem Waffenhändler in Bezug auf die Bargeldabschaffung auch eher eine junge und naive Frage für Tilo Jung?! 😀

 

Spannende Abschlußfrage

Regionale Onlinemärkte als Gegenantwort zu amazon und ebay.

Stadtgeld & Co als logische Konsequenz zum Kaufkraftabfluß und Hoffnungsschimmer für Bargeldbefürworter.

 

Wer reagiert zu erst?

Die Städte und Gemeinden, die um ihr eigenes Geld einen Onlinemarkt bauen

oder

die regionalen Onlinemärkte, die regionale Zahlungsmittel bei sich mit aufnehmen

oder

vielleicht sogar jemand, den ich „nicht auf dem Zettel“ habe?

 

Was glaubst Du?

 

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